Karl lässt der Real-Wirbel kalt

von Redaktion

Botschaft in Salzburg: Bayern-Youngster schweigt – und lässt Tore sprechen

Coach Kompany herzt den 17-Jährigen. © Imago

Ruhig bleiben: Lennart Karls Botschaft in Salzburg war klar erkennbar. © Canling/Imago (2)

Karl lieferte zwei Treffer und eine Vorlage.

Salzburg – Viel Zeit für eine warme Dusche blieb den Stars des FC Bayern nach dem 5:0 (1:0) im Testspiel gegen RB Salzburg nicht: Gegen 16.50 Uhr pfiff Schiedsrichter Christopher Jäger die Partie in klirrender Kälte vor idyllischem Berg-Panorama ab und die Abfahrt zurück nach München war bereits auf 17.30 Uhr angesetzt.

Auf die Minute genau verließ Lennart Karl – just im Moment als Dayot Upamecano die Aufmerksamkeit der Kameras in der Interview-Zone auf sich zog – die Katakomben der Salzburger Arena. Begleitet von Pressesprecher Dieter Nickels und mit der Kapuze seines Pullovers tief ins Gesicht gezogen marschierte der Youngster schweigend in Richtung Mannschaftsbus.

Die Szenerie erweckte den Eindruck, als würde der deutsche Rekordmeister seinen Youngster bewusst abschirmen, um erneute verbale Ausrutscher nach den Aussagen über seinen Traumverein Real Madrid zu vermeiden. Dabei sieht die sportliche Leitung die Thematik „entspannt“, wie Max Eberl betonte: „ Er ist beim Fanclub gewesen und kam dann einen Tag später zu uns und meinte: Ich habe etwas nicht so gutes gesagt, das man vielleicht fehlinterpretieren kann. Für uns ist die Sache vom Tisch – und war auch nie ein Thema gewesen.“

Für den Sportvorstand sei es wichtiger, dass Karl seine Leistung auf dem Platz zeige. Das tat der 17-Jährige in Salzburg – und wie: Nachdem er zur Halbzeit eingewechselt wurde, erzielte Karl in der 72. Minute das zwischenzeitliche 2:0. Bei seinem Torjubel hob er beide Handflächen nach unten und bewegte sie langsam abwärts. Die Botschaft war klar: „Ruhig bleiben!“ Die Geste erinnerte an Superstar Cristiano Ronaldo, der zu Real-Zeiten im Classico von den Barcelona-Fans permanent ausgepfiffen wurde und letztendlich den 2:1-Siegtreffer erzielte.

Doch ein Treffer reichte ihm an diesem Tag nicht: Nur 180 Sekunden später legte er Felipe Chavez das 3:0 auf. Den 17-Jährigen lassen die Diskussionen um seine Person augenscheinlich kalt. Denn: Es war ebenfalls Karl, der mit einem Kopfball in der 88. Minute für das 4:0 sorgte.

Genau diese Treffer und Torvorlagen sind es, mit denen sich Karl in den vergangenen Monaten in den Blickpunkt des deutschen Fußballs gespielt hat – und weswegen seine Aussagen so viel Beachtung finden. Oder um es mit den Worten von Sportvorstand Eberl zu formulieren: „Er ist eben nicht mehr der Lenny, der 17-Jährige, den niemand kennt. Sondern er ist Lennart Karl, wo jetzt ganz Deutschland weiß, was er kann und wer er ist.“

Geradezu väterlich fügte Eberl an: „Ich glaube, ein 17-Jähriger darf auch mal einen Fehler machen und in seiner Euphorie etwas sagen, wo er hinterher sagt: Okay, das hätte ich anders machen können.“

Karl soll sich in München zu einem Bayern-Gesicht der Zukunft entwickeln. Wenn er am 22. Februar volljährig wird, soll sein aktueller Kontrakt in einen Profivertrag umgewandelt werden. Mit einer Laufzeit bis 2029. Manuel Bonke, Kian Falk

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