EISHOCKEY

Namhaft wie nie – aber noch nicht ganz gesund

von Redaktion

Deutschland hat seine 25 Spieler für Olympia gefunden – „Unangenehme Telefonate“ für Kreis

Auf nach Mailand: Bundestrainer Harold Kreis. © dpa

München – Der Prozess, einen 25-Mann-Kader für das Olympia-Turnier zu finden, zog sich „über Monate“, sagt Christian Künast, der Sportvorstand des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Immer wieder haben er und Bundestrainer Harold Kreis überlegt: „Wer passt zu wem, wer ist wie in Form?“ Künast spricht von „Ghost-Aufstellungen, die wir im Kopf gehabt haben“. Nun sind die Überlegungen abgeschlossen, dem Deutschen Olympischen Sport-Bund (DOSB) wurde die finale Liste vorgelegt. Eishockey-Deutschland hat seinen Olympia-Kader, der der stärkste jemals ist, denn: Noch nie hatte man so gute Spieler drüben in Nordamerika, Leon Draisaitl, den Weltstar, die dieser Kategorie schon sehr nahe kommenden Moritz Seider, Tim Stützle und John-Jason Peterka, die Stanley-Cup-Gewinner Nico Sturm und Philipp Grubauer – und alle werden sie anreisen nach Mailand im Februar.

Harold Kreis erklärt: „Die Mannschaft wird ganz anders aussehen als bei einer WM.“ Konkret: Die offensiven Top-Six-Rollen – Bezeichnung für die Spieler, die für den Torertrag sorgen sollen – werden von den Akteuren aus Nordamerika eingenommen, plus vielleicht noch dem Berliner Frederik Tiffels und dem in der Schweiz spielenden Dominik Kahun. Bei den Stürmern, die aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) dazustoßen, geht es nicht vorrangig ums Scoring, sondern um: „Vielseitigkeit, um Defensivstärke, körperliche Robustheit“, so der deutsche Headcoach.

Der DEL-Anteil ist letztlich sogar größer ausgefallen als erwartet, weil Kreis auf zwei Spieler aus der Farmteamliga AHL (Arno Tiefensee, Torwart der Texas Stars, und Maksymilian Szuber, Verteidiger der Tucson Road Runners) verzichtete. Was auffällt: In seiner Auswahl für Mailand finden sich vier Spieler, die momentan nicht einsatzfähig wären: Mathias Niederberger, Kai Wissmann, Tobias Rieder, Dominik Kahun; sie alle kurieren Verletzungen aus, Wissmann (Problem Achillessehne) hat diese Saison noch gar nicht gespielt. „Wir befinden uns in intensivem Austausch mit ihnen“, sagt Kreis, „und sind überzeugt, dass sie noch vier, fünf Spiele bekommen, wenn wir ins Trainingslager gehen.“ Das findet Anfang Februar in Bozen statt, noch ohne die Verstärkungen aus NHL und AHL. Daher hat Kreis „Trainingsspieler“ nominiert, die den Kader in dieser Woche auffüllen und auch Kandidaten sind, sollten Nachnominierungen erforderlich sein. Langjährige Nationalspieler wie Yasin Ehliz und Maxi Kastner aus München oder Daniel Fischbuch (Iserlohn) gehören zu dieser Gruppe.

Kreis räumt ein, dass es „Telefonate gab, die weniger angenehm waren“, wenn er einem Spieler, der immer dabei war und in der Liga seine Leistung bringt, mitteilen musste, dass er zurückzustehen habe hinter einem, dem der aktuelle Form-Nachweis fehlt. Doch er will auch erlebt haben, „dass unsere Spieler alle professionell in der Annahme der Situation sind. Es hat keiner gezögert, zu sagen, dass er in Bozen dabei ist.“

In den Olympia-Kader geschafft hat es mit seinen 39 Jahren Moritz Müller. Zur WM 2025 hatte Kreis den Kölner nicht mitgenommen, und in Dänemark fehlte dann einfach eine wichtige Stimme in der Kabine und in der Repräsentanz des Teams nach außen. „Mo hat die Kultur der Nationalmannschaft geprägt“, weil Kreis, der mit Müllers Nominierung dessen Lebenswerk würdigt – „doch er spielt mit Köln auch eine gute Saison“. Ob Müller die Olympia-Mannschaft als Kapitän anführt oder einer der Jungs aus Übersee das „C“ tragen wird, ist noch offen.

Keine Sorge hat der Bundestrainer, was einen gutem Teamgeist betrifft. Die NHL-Stars und die DEL-Spieler sind einander nicht fremd, sondern kennen sich aus gemeinsamen Zeiten im Nachwuchs. „Wir werden den Spirit aufs Eis bringen.“GÜNTER KLEIN

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