TSV 1860

Tanz auf der Rasierklinge

von Redaktion

Sorgen um Verlaat – Paula geht trotz vieler Ausfälle nicht von Wintertransfers aus

Nicht schon wieder: Verlaat zwickt‘s in der Wade. © Sampics

Belek – Zuerst lässt sich Markus Kauczinski erklären, was passiert ist. Dann kommt Miran Qela herüber. „Was ist los, Jess?“, fragt der Ersatztorwart. Jesper Verlaat antwortet knapp: „Alles gut!“ Doch ganz sorgenfrei sieht der Kapitän nicht aus. Auf dem Weg zum Bus brummt er auf Nachfrage nur noch: „Schauen wir mal…“ Mittwochvormittag in Belek – eine Szene im Training, die alle Löwen aufschreckt.

Im Hotel wurde Verlaat genauer untersucht. Betroffen ist offenbar die linke Wade, das Nachmittagstraining verpasste der Niederländer. Geschäftsführer Manfred Paula gibt sich vorsichtig optimistisch. „Ich denke, dass es eher eine kleinere Geschichte ist, eine normale Belastungsreaktion“, sagt er zu unserer Zeitung. Und doch ist klar: Die Personallage beim TSV 1860 war schon vor diesem Zwischenfall angespannt – nun droht sie sich weiter zuzuspitzen.

Die Personaldecke gleicht einer zu knappen Tischdecke: Zieht man sie an einer Stelle zurecht, rutscht sie an anderer sofort wieder weg. In Belek fehlen vier potenzielle Stammspieler: Tunay Deniz (Kreuzbandriss), Sigurd Haugen (Kieferbruch), Max Christiansen (Hüft-OP) und Florian Niederlechner (muskulär). Auch Manuel Pfeifer muss kürzertreten, Max Reinthaler setzte am Dienstag mit dem Training aus. Verlaat war drei Monate raus. Fällt er erneut länger aus, wäre das ein schwerer Rückschlag für die Ambitionen der Löwen – der Kapitän ist schließlich auch als Leader unverzichtbar.

Damit rückt zwangsläufig die Transferfrage in den Fokus. Paula kennt die finanziellen Nöte des Vereins – und fährt eine klare Linie. „Wir schauen uns nicht um, wir informieren uns nur“, sagt er. „Wir müssen die Situation von Woche zu Woche neu bewerten. Wintertransfers sind nicht trivial. Es ist ein Tanz auf der Rasierklinge.“ Aktionismus schließe er aus: „Wir werden nichts machen, nur um etwas gemacht zu haben. Wenn man auch in unsere Historie schaut: Der Mehrwert war relativ überschaubar.“

Stattdessen prüft 1860 interne Lösungen. David Philipp gilt als Option für die Haugen-Vertretung. Im defensiven Mittelfeld bringt der Sportchef Samuel Althaus ins Spiel – auch mit Blick auf den Rückrundenauftakt gegen Rot-Weiss Essen am 17. Januar, wenn Thore Jacobsen wegen einer Gelb-Rot-Sperre fehlt. „Wir haben Jungs, denen wir etwas zutrauen“, sagt Paula. „Aber wir müssen ehrlich bleiben, was sie leisten können – und was nicht.“

Genau diese Ehrlichkeit fordert auch der Trainer ein. Über Stürmer Justin Steinkötter sagte er unmissverständlich: „Er hat in der 3. Liga noch keine Fußspuren hinterlassen.“ Entwicklung brauche Zeit. Trotzdem glaubt auch Kauczinski nicht, dass 1860 nachlegen wird: „Ich sehe nicht diese kurzfristige, günstige Lösung. Spieler, die performen, sind nicht so einfach zu pflücken.“

Einen ersten Fingerzeig liefert der Härtetest am Freitag gegen den FC Winterthur. Anpfiff ist um 13 Uhr (MEZ), gespielt wird über 3 x 45 Minuten, zu sehen für 2,99 Euro bei Löwen-TV. Klar ist schon jetzt: Einige Profis werden länger spielen müssen als geplant.ULI KELLNER

Artikel 1 von 11