Der letzte Sechser

von Redaktion

Von wegen Ladenhüter: Philipp Maier ist bei 1860 plötzlich unverzichtbar

Das Wesentliche im Fokus: Der Oberbayer Philipp Maier geht unbeirrt seinen Weg – und ist jetzt Stammspieler bei seinem Lieblingsverein. © Sampics / Stefan Matzke

Belek – Die Billard-Clique muss warten, für den Abend war ein Einkaufsbummel in Belek geplant. Doch auf den Bazar, sagt Philipp Maier, „habe ich eh keine Lust“. Lieber erzählt er der mitgereisten Presse, wie es auf dem ganz anderen Basar abgelaufen ist – auf dem Spieler-Bazar der Löwen.

Im Sommer gab es Sechser im Überfluss. Maier, aus der 2. Liga gekommen, als Drittliga-Meister mit Ulm aufgestiegen, galt trotzdem als Ladenhüter. Einer, der sich anbot, aber nicht gehandelt wurde. „Für mich war das natürlich nicht einfach“, sagt der 31-Jährige rückblickend. Selbstzweifel aber? Fehlanzeige. „Ich wusste, dass ich 3. Liga spielen kann.“

Dann kam der Herbst – und mit der rauen Jahreszeit der radikale Umbruch. Trainerwechsel. Neue Ideen. Neue Hierarchie. Und plötzlich vor allem: ein Ausfall nach dem anderen. Tunay Deniz, Kreuzband. Max Christiansen, Hüfte. Thore Jacobsen, Gelb-Rot. Wer auf der Sechs übrig blieb? Philipp Maier. Allein auf weiter Flur.

„Das ist dann irgendwo wahrscheinlich der Fußball, wie man so schön sagt“, sagt der Oberbayer lächelnd – und trifft damit den Kern dieser Löwen-Saison. Vom Überangebot zum Notstand. Vom Ladenhüter zur begehrten Ware – um im Bazar-Bild zu bleiben.

Maier selbst blieb in all den Monaten erstaunlich klar. Kein öffentliches Lamento, kein Nachtreten. „Ich musste es akzeptieren“, sagt er über die Phase, in der er trotz ordentlicher Vorbereitung kaum eine Rolle spielte. Akzeptieren aber hieß für ihn nie: aufgeben. Sondern umdenken. Sich anbieten. Sich breiter machen. „Ich habe versucht, aus der Situation das Maximale rauszuholen.“

Also schulte Maier nebenbei zum Innenverteidiger um, machte Druck – und wartete. „Man sollte nicht alles hinterfragen“, sagt er. „Das macht es dir nur schwerer.“ Eine Haltung, die im Profifußball selten ist – aber hilfreich.

Unter Markus Kauczinski, Glöckners Nachfolger, kam schließlich die Chance. Und Maier griff zu. Nicht spektakulär – dafür zuverlässig. Als zweikampfstarker, der absichert, ordnet, Löcher stopft. „Ich bin eher der defensive Typ“, sagt er, obwohl er zu Ulms Aufstieg sechs Tore beigetragen hatte. „Für mich ist aber nicht entscheidend, wer neben mir spielt.“ Entscheidend sei, „dass man sich gegenseitig hilft“.

Dass ausgerechnet er nun der letzte gestandene Sechser für den Rückrundenstart gegen Rot-Weiss Essen (Samstag, 17. Januar, 14 Uhr) ist, nimmt Maier mit Gelassenheit. „Fußball ist Tagesgeschäft“, sagt er. „Man muss sich jeden Tag neu beweisen.“ Auch jetzt, wo die Löwen zahlreiche Ausfälle verkraften müssen. „Keine Mannschaft der Welt kann das einfach so kompensieren.“ Jammern will er trotzdem nicht. „Sich damit zu beschäftigen, bringt uns nicht weiter.“

Und die Zukunft? Der Vertrag läuft im Sommer aus. Maier weiß, dass es in seinem Alter um Weichenstellungen geht. Er weiß aber auch, was zählt. „Meine Wunschlösung wäre es, bei 1860 zu bleiben“, sagt er – und schiebt sofort nach: „Aber das geht nur über Leistung. Nicht über Interviews.“

Also kein Bazar, kein Feilschen, kein großes Theater. Philipp Maier bleibt bei dem, was ihn vom Ladenhüter zum Hoffnungsträger gemacht hat: arbeiten, warten, liefern. Als letzter Sechser fällt ihm das gerade etwas leichter.ULI KELLNER

Artikel 1 von 11