Sein Startplatz blieb leer: Vor dem Rennen gab es eine Minute des Applauses für Sivert Bakken. © Heilwagen/Imago
Getrübte Freude: Das Ergebnis war für Nawrath, Giacomel und Dale (v.l.) nur Nebensache. © Herbst/Imago
Tommaso Giacomel musste in den vergangenen Wochen viel weinen. Den Sieg im Sprint von Oberhof widmete der Italiener seinem norwegischen Freund. © Fromm/Imago
Oberhof – Philipp Nawrath kämpfte im Nebel von Oberhof um jede Sekunde, dann winkte er glücklich in Richtung der Fans am Rennsteig: Der 32-Jährige hat die deutsche Biathlon-Party im Thüringer Wald mit einem Podestplatz befeuert. Beim emotionalen Tagessieg des Italieners Tommaso Giacomel, Freund des kürzlich verstorbenen Norwegers Sivert Guttorm Bakken, stürmte Nawrath auf den zweiten Platz (1 Strafrunde/+13,2 Sekunden).
„Es ist eine Riesenerleichterung“, freute sich Nawrath am ARD-Mikrofon: „Ich hatte bisher immer Schwierigkeiten, in Oberhof wieder reinzukommen in den Wettkampfmodus. Aber ich habe mich diesmal gut darauf vorbereitet.“ Und so sei er „froh, dass es so funktioniert hat“. Es überzeugten auch Philipp Horn (1/+38,7) als Siebter und David Zobel (1/+59,9) als Zwölfter. Letzterer sicherte sich die halbe Olympia-Norm.
An der Spitze feierte Giacomel seinen bereits dritten Saisonsieg – doch große Freude kam beim Gewinner nicht auf. „Es ist richtig komisch heute. Es ist einer meiner besten Tagen beim Biathlon, aber gleichzeitig ist es einer der schlechtesten, weil Sivert nicht mehr hier ist“, sagte der Italiener, der im Zielbereich einen Gruß gen Himmel an seinen Kumpel schickte: „Das macht mich extrem traurig.“
Das Rennen hatte ganz im Zeichen von Bakken gestanden. Der norwegische Biathlet war am 23. Dezember tot in seinem Hotelzimmer im Höhenlager von Lavazè in Südtirol aufgefunden worden, die Ursache ist weiter unbekannt. Giacomel wollte eigentlich an jenem Tag zusammen mit Bakken Ski fahren gehen. Zu Ehren des Norwegers wurde die „1“ nun nicht für den Sprint vergeben, der Startbereich blieb zu Beginn leer. Athleten, Trainer und Fans gedachten mit einer Minute Applaus, es flossen viele Tränen.
„Giacomel habe ich am Mittwoch bei der Dopingkontrolle getroffen. Der war da noch sehr geknickt, hat das aber sehr gut ablegen können oder war vielleicht auch deshalb so gut“, sagte Nawrath. Auch wenn Bakken nicht mehr hier sei, „habe ich mich aufs Training konzentriert während der Weihnachtspause“, sagte Giacomel, der Bakken, der nur 27 Jahre alt wurde, den Sieg widmete: „Das hat gut funktioniert.“
Im Sprint der Frauen, aufgrund der für Freitag vorhergesagten Sturmböen von über 80 Stundenkilometern um einen Tag vorgezogen, lag dann auch Franziska Preuß (+47,1 Sekunden) zunächst auf Podiumskurs. Ein Fehler beim Stehendschießen warf sie aber entscheidend zurück. Den Sieg sicherte sich die fehlerfreie Elvira Öberg aus Schweden.
„Vielleicht war das Risiko ein bisschen zu hoch. Ich habe aber schon gewusst, dass ein Fehler zu viel für ein Topergebnis im Sprint ist“, sagte Preuß: „Die Ausgangslage für Sonntag ist definitiv gut. Es geht aufwärts.“ Direkt hinter der Bayerin erreichte Janina Hettich-Walz als Sechste (1/+49,5) das Ziel und knackte damit endgültig die wichtige Norm für die Winterspiele.SID