ZUM TAGE

Die Helden des Trainingslagers

von Redaktion

Härten der Eishockey-Nominierung

In Kanada, wo Eishockey die Nationalsportart schlechthin ist, wurde die Zusammenstellung des Kaders für die Olympischen Spiele heftigst diskutiert. Es gab ja auch wuchtige Härtefälle. Wie den von Connor Bedard aus Chicago, 20 Jahre alt, ein sogenanntes „generational talent“, leicht besserer Schnitt an Scoringpunkten sogar als der deutsche Superstar Leon Draisaitl – doch Bedard wurde nicht für Mailand nominiert. Das kanadische Team hat schon genug Feuerkraft und Helden in der Abteilung Offensive, und eine Mannschaft braucht, um die bestmögliche zu sein, eben auch noch ein paar Spezialisten für andere Aufgaben: Drecksarbeit, Härte, Einschüchterung. Darum werden im Team von Favorit Kanada auch Akteure vertreten sein, die nicht ganz so gute Eishockeyspieler sind wie Bedard.

In Deutschland herrscht natürlich kein personelles Überangebot wie im Mutterland des Eishockeys. Doch auch bei uns geriet die Nominierung zu einer Aufgabe, die den zuständigen Trainer in allen Facetten fordert. Einmalig mit allen deutschen Spielern aus der NHL – das reduziert die Plätze für die aus der DEL. Zugleich muss berücksichtigt werden, dass auf einer kleineren Eisfläche gespielt wird und in den Teams der relevanten Nationen die Gegenspieler, anders als bei der jährlichen WM, auch alle aus der NHL kommen. Für Bundestrainer Harold Kreis bedeutet das, aus dem Pool an DEL-Leuten die auszuwählen, die Erfahrungen auf diesem Niveau und mit diesen Umständen haben.

Klingt logisch, führt aber eben zu Härten. So ist der ehemalige NHL-Crack Tobias Rieder, der seit 2024 für München spielt, für Olympia gesetzt, obwohl er sich in den vergangenen Jahren in der Nationalmannschaft rar gemacht hat. Und seine EHC-Kollegen Maxi Kastner und Yasin Ehliz, die nie absagen, sind trotz ihrer Treue draußen beim Größten, was ihnen die Karriere bieten könnte. Dass sie und einige andere mit ähnlichem Schicksal sich bereiterklärt haben, die Reihen beim Olympia-Trainingslager aufzufüllen, ist der Nachweis von Resilienz und ein Zeichen der Größe.

Wobei Bundestrainer Kreis auch das Glück hat, dass 2027 eine Heim-WM ansteht. Auch das ein Once-in-a-lifetime-Event. Final hinwerfen sollte darum jetzt niemand.

Artikel 1 von 11