Bayern-Trainer Vincent Kompany führt einen kreativen Strafenkatalog. © Simon/Imago
München – Als Bundestrainer Julian Nagelsmann noch für den FC Bayern in der Coaching-Zone stand, war der Strafenkatalog des deutschen Rekordmeisters in aller Munde. Die Höhe der fälligen Geldbeträge wurde nämlich nicht von ihm selbst oder dem Mannschaftsrat festgelegt, sondern von der ehemaligen Teammanagerin Kathleen Krüger und Teampsychologe Maximilian Pelka.
Krüger führte damals ein strenges Regiment: Als Leroy Sané beispielsweise zu spät zur Anreise zum Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach kam, wies die Teammanagerin den Busfahrer zur Abfahrt an. Sané musste daraufhin als Denkzettel im Privat-Pkw zum Flugplatz nach Oberpfaffenhofen fahren.
Die Bußen für Unpünktlichkeit oder andere Disziplinlosigkeiten bewegten sich damals im unteren vierstelligen Bereich, von 1000 bis 3000 Euro war die Rede. „Ab und zu gibt es ein paar Euros, die das kostet. Haben wir im Griff“, erklärte der damalige Sportvorstand Hasan Salihamidzic auf entsprechende Nachfrage.
Die Strafe: Ein ganzer Tag an der Säbener
Der aktuelle Bayern-Chefcoach Vincent Kompany bittet seine Stars bei Unpünktlichkeit hingegen nicht zur Kasse. Bei der Gestaltung des Strafenkatalogs ist der Belgier kreativer, wie Sportdirektor Christoph Freund beim Besuch des Fanclubs Rot-Weiße Lausbuam in Schechen verriet: „Unser Trainer hat etwas anders eingeführt und das finde ich sehr gut. Er ist ja bekanntlich sehr fleißig und beginnt seinen Tag schon um sieben Uhr morgens am Trainingsgelände. Der dauert oft bis acht Uhr abends. Und wer zu spät kommt, hat die Ehre, einen Tag mit unserem Trainer zu verbringen: Er muss vor dem Trainer da sein und darf erst eine Minute nach dem Trainer wieder gehen.“
Die Gründe für ein verspätetes Erscheinen sind laut Freund vielschichtig, aber nicht außergewöhnlicher als bei jedem anderen Arbeitnehmer oder Amateurverein: „Entweder man verschläft, es ist viel Verkehr – oder man ist einfach zu spät von zu Hause weggefahren.“ Aber wenn das bei einem Akteur des deutschen Rekordmeisters der Fall ist, wartet schon der Chefcoach.
Denn laut Freund tue ein Zwölf-Stunden-Tag an der Säbener Straße den Spielern häufiger mehr weh als eine Geldstrafe. In den Augen des Sportdirektors habe diese Form der Bestrafung einen positiven Effekt: „Die Spieler sind dann den ganzen Tag auf dem Trainingsgelände und dann entstehen auch wieder viele Gespräche mit Mitspielern oder Mitarbeitern.“ Trotzdem verständlich, dass die Bayern-Stars unter der Regie von Vincent Kompany lieber einmal zu viel als zu wenig auf die Uhr schauen. MANUEL BONKE, HANNA RAIF