München – Natürlich, ein gewisses Rest-Risiko besteht, aber trotzdem dürfte jeder, der den Bob-Weltcup in der olympischen Saison beobachtet hat, diese Wette mit gutem Gewissen abschließen. Also: Wetten, dass an diesem Wochenende am Fuße der Natureisbahn in St. Moritz sowohl am Samstag als auch am Sonntag das Podium der Bobfahrer aus ausschließlich Herren in den typisch gelben deutschen Jacken bestehen wird?! Die einzige Frage ist, ob Francesco Friedrich oder Johannes Lochner der Schnellste sein wird. Alles andere ist derzeit im Eiskanal relativ vorhersehbar.
Eigentlich könnte man sich Verband einfach nur freuen, im Winter der Olympischen Spiele von Cortina d‘Ampezzo als Übernation an den Start zu gehen. Aber auch wenn 28 von 30 möglichen Stockerl-Plätzen an den ersten fünf Stationen Grund für Freude und Stolz sind: Man beobachtet die Entwicklung in der Königsdisziplin des Eiskanals doch auch beim BSD mit Sorge. Einzig der Südkoreaner Kim Kin-Su auf der Olympiabahn sowie der Italiener Patrick Baumgartner in Innsbruck konnten bisher ein kleines Wörtchen mitreden, der Brite Brad Hall etwa – immerhin WM-Dritter 2025 – stand noch gar nicht auf dem Podest. Weil die Deutschen so gut sind? Oder der Rest zu schwach?
Thomas Schwab ist um eine diplomatische Antwort bemüht. „Wir können nicht mit Absicht langsam fahren“, sagt der deutsche Verbandschef. Natürlich sei die erdrückende Dominanz der Lohn der „goldenen Generation“ um Lochner und Friedrich, zudem sei man „am Start einfach am schnellsten“. Und trotzdem hört man Kritik an der Konkurrenz im Gespräch heraus. Der Satz „Eisen macht stark, man muss es nur anfassen“ spricht Bände – als klare Fitness-Ansage an den Rest der Welt. Die Deutschen ackern im Sommer wie die Irren, die anderen eher nicht. Im Winter ist das Resultat zu sehen.
Erfolge schmecken immer, der Attraktivität des Bobsports aber ist die zunehmende Langeweile nicht zuträglich. „Wir sind für alles das Zugpferd“, sagt Schwab, hinter dem deutschen Know-How aber wird sich eben auch oft versteckt. Da ist es zumindest in der laufenden Saison nur dankbar, dass immerhin das Duell zwischen Dauer-Dominator Friedrich und Lochner „so eng ist wie nie“. Sieben von zehn Rennen gingen bisher an den Berchtesgadener, der seine letzte Saison fährt. Mit krönendem Abschluss in Cortina? Eine riskantere Wette – aber man kann sich ruhig trauen.H. RAIF