Ex-Bayer Schwegler ist VfL-Sportdirektor. © Hölter/Imago
Pirmin Schwegler ist gerade einmal 38 Jahre alt – und hat bereits eine bewegte Zeit als Funktionär durchlebt: Seit Dezember ist er beim VfL Wolfsburg als Sportdirektor angestellt. Seine vorherigen Stationen im Profi-Fußball waren eine schnelle Nummer – sowohl bei Eintracht Frankfurt (1. Januar 2025 bis 29. Dezember 2025) als auch bei der TSG Hoffenheim (11. Januar 2023 bis 6. September 2024). Bei beiden Clubs war der Schweizer als Direktor Profifußball angestellt.
Der Startschuss für die Karriere nach der aktiven Karriere fiel für den ehemaligen Bundesliga-Profi (u.a. Leverkusen, Frankfurt, Hoffenheim) allerdings beim FC Bayern. Beim deutschen Rekordmeister startete Schwegler als Scout, ehe er anderthalb Jahre später zum Chefscout befördert wurde. In dieser Zeit arbeitete er eng mit dem damaligen Technischen Direktor Marco Neppe zusammen, der ihn auch nach München lockte.
„Er hat mich von Anfang an in viele Meetings mitgenommen. Im Scouting-Team habe ich mich sofort wohlgefühlt. Ich habe volles Vertrauen gespürt. Alle waren mir gegenüber total offen. Das ist nicht selbstverständlich“, erinnerte sich Schwegler in einem Interview, kurz nachdem er nach Hoffenheim gewechselt war.
Schwegler war federführend am Transfer von Mathys Tel, der mittlerweile für Tottenham Hotspur spielt, beteiligt. In Wolfsburg soll sein Gespür für vielversprechende Talente nun dabei helfen, den 14. der Bundesligatabelle wieder zurück in die Erfolgsspur zu bringen. Schwegler hat Lust auf diese knifflige Aufgabe: „Es hat mich sofort gepackt!“ Und den Wolfsburgern ist ein Coup mit Zukunftspotenzial gelungen.
In Frankfurt etwa sagt man, Schwegler habe die Geduld gefehlt, um auf den Moment zu warten, in dem Sportvorstand Markus Krösche sich zu Höherem berufen fühlt. Man hat ihm in Hessen viel zugetraut, Schwegler ist einer der jungen Manager-Talente der Branche. Dass er in Wolfsburg nach den Absagen von Andreas Schicker und Marcus Mann als C-Lösung galt, macht ihm gar nichts. Zum Start sagte er: „A-Lösung, B-Lösung, Z-Lösung – das ist mir völlig wurscht“ – und erinnerte an Bayern-Trainer Vincent Kompany. Der sei „auch nicht die A-Lösung“ gewesen, vielmehr noch: eigentlich war er die G-Lösung. Aber jetzt seien alle „happy mit ihm“.
Die Gespräche in Wolfsburg waren „außergewöhnlich gut“, gemeinsam will und muss man nun anpacken. „Es ist eine große Aufgabe, deren sind wir uns alle bewusst“, sagt Schwegler. Er selbst liebe „die Challenge“ sowieso, und dass er ein Kämpfer ist, hat er im Leben schon in deutlich schwierigeren Situationen beweisen müssen. Mit gerade mal 18 Monaten erkrankte Schwegler an Leukämie, das war im Herbst 1988. Die Überlebenschancen lagen laut Ärzten bei unter zehn Prozent, 160 Tage war der junge Pirmin im Krankenhaus und musste zwölf Chemotherapien über sich ergehen lassen. Mit vier Jahren galt er als krebsfrei, mit 15 als offiziell geheilt. Mit 16 gab er sein Profi-Debüt in der 2. Schweizer Liga.
23 Jahre und 262 Bundesliga-Spiele später startet er 2026 als Chef ins Jahr. Die Bayern zum Start sind kein Gradmesser, aber die Spiele danach. Wolfsburg muss noch im Januar gegen die direkten Tabellennachbarn aus St. Pauli, Heidenheim, Mainz und Köln ran. Danach ist Schwegler entweder Retter – oder hat eine echte Krise zu moderieren.M BONKE, H. RAIF