Volland bringt nichts aus der Ruhe

von Redaktion

Der Löwen-Rückkehrer über die 3. Liga, Schnee in seiner Heimat und ruppige Zweikämpfe

Steuert er 1860 zurück in die 2. Liga? Kevin Volland ist wieder fit – und kommt als Zehner der Löwen immer besser in Schwung. © Sampics / Stefan Matzke

Belek – Die Terrassentür in der Lobby des Teamhotels fliegt auf. Ein kräftiger Windstoß weht durch den Raum, irgendwo scheppert etwas. Kevin Volland (33) sitzt ein paar Sessel weiter. Er dreht sich kurz um – und spricht einfach weiter. Nichts bringt ihn aus der Ruhe. Auch nicht die aufpoppenden Meldungen von der Wetterfront in der Heimat. „Jetzt drehen alle durch wegen dem bisschen Schnee“, sagt er grinsend. „Bei uns im Allgäu war so was bis vor Kurzem ein ganz normaler Winter.“

So spricht einer, der schon viele stürmische Zeiten erlebt hat. Als Bub aus Thalhofen. Und später als Fußballprofi in einer Karriere, die ihn weit getragen hat – und wieder zurück. Hoffenheim, Leverkusen, Monaco, Union Berlin. Von der 2. Liga bis zur Champions League alles dabei, zwischendurch auch die Nationalmannschaft. Und seit dem Sommer eben wieder TSV 1860. Bei seinem Ausbildungsverein. Eine Liga tiefer als damals, als Volland aufgebrochen ist in die große Fußballwelt.

Beim Gespräch liegt sein rechtes Knie frei. Darauf eine lange Narbe – Andenken an ein Foul im Spiel gegen Viktoria Köln. Es ist dasselbe Knie, das kurz vor Weihnachten in Ingolstadt bei einem Zusammenprall überstreckt wurde. „Am Anfang hatte ich schon Angst“, sagt Volland. „Bei so einer Überstreckung kann alles passieren.“ Die Entwarnung folgte schnell: keine strukturelle Verletzung, nur eine Prellung. „Man merkt es noch“, sagt er, „aber es wird nicht schlimmer.“

Nach einer halben Saison 3. Liga fällt seine Zwischenbilanz gnädig aus. „Dritte Liga lässt grüßen“, sagt Volland – und meint vor allem eines: Härte. „Hier wird nichts hergeschenkt. Wenn du 15, 20 Minuten nicht da bist, bekommst du sofort Probleme.“ Die Gangart sei ruppig, die Zweikämpfe intensiv. „Ich rausche da auch rein“, sagt er. „Ich bin keiner, der liegen bleibt.“

Gleichzeitig habe ihn die Liga überrascht. „Manchmal hat man sogar mehr Zeit, als man denkt“, sagt Volland. „Aber du musst die Situationen schneller erkennen.“ Auch für einen, der schon fast alles gesehen hat, sei das ein Prozess. „Das schüttelst du nicht einfach ab.“

Die Vorrunde der Löwen beschreibt er als wechselhaft. „Es war eine Phase mit Höhen und Tiefen“, sagt Volland. „Wir hatten einen richtigen Hänger.“ Gerade defensiv habe die Mannschaft Lehrgeld bezahlt. „Hinten raus sind wir stabiler geworden“, sagt er. „Und nach vorne hatten wir wieder bessere Aktionen.“

Dass bei 1860 jede Phase besonders intensiv bewertet wird, weiß er. „Hier erwartet jeder, dass du jedes Spiel gewinnst“, sagt er. „Aber das ist nicht die Realität.“ Das Grünwalder Stadion, die Nähe zu den Fans – alles sei unmittelbarer. „Die Ausschläge sind hier größer als anderswo“, sagt er. „Damit musst du umgehen können.“

Ein Thema, das Volland offen anspricht, sind die Unparteiischen. „Für sie ist das in der Liga auch nicht leicht“, sagt er. „Oft stehen junge Schiedsrichter allein auf der Bühne.“ Nicht jeder Pfiff sei nachvollziehbar. „Manchmal wünscht man sich schon ein bisschen mehr Fußballverständnis.“ Sein pragmatischer Gedanke: „Wenn man wenigstens ein iPad hinstellen würde, wären viele Diskussionen sofort geklärt.“

Trotz aller Reibungspunkte wirkt Volland angekommen. Nicht nur sportlich, sondern auch privat. „Es ist richtig schön, wieder hier zu sein“, sagt er. Er könne jetzt einfach ins Auto steigen, wenn die Tante im Allgäu zu Kaffee und Kuchen einlade. „Das war früher unmöglich“, sagt er. „Das habe ich extrem vermisst.“

Große Abrechnungen mit der Vergangenheit braucht Volland nicht. „Ich habe viel erlebt im Fußball“, sagt er: „Viel Geiles.“ Es hätte immer besser sein können – aber auch deutlich schlechter. „Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe.“

Und 1860? Ist für ihn kein sentimentales Projekt, sondern eine Aufgabe. „Du musst dir hier jedes Spiel den Arsch aufreißen“, sagt Volland. Genau das tut er. Ruhig. Klar. Unaufgeregt.

Wie bei der aufspringenden Terrassentür in Belek. Draußen frischt der Wind auf – Volland bleibt sitzen.ULI KELLNER

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