Wer schon in den 80er-Jahren Redakteur war, erinnert sich noch an die Meldungen, die die geschätzten Kollegen des Sport-Informationsdienstes in der kalten Jahreszeit immer wieder mal verschickten. Fiel ein Spiel den Witterungsbedingungen zum Opfer, wurde das der Leserschaft in schönster Nachrichtenagenturpoesie dargebracht: „General Winter schickt wieder seine Heerscharen aus.“ Das gab es leider lange nicht mehr zu lesen. Denn der Schöpfer der militäraffinen Formulierung mag irgendwann in Ruhestand gegangen sein, zudem war der Winter wegen globaler Erwärmung kein Winter mehr, und der Profifußball hatte aufgerüstet mit beheizbaren Spielfeldern und Rasenflächen, die nur noch teilweise natürlichen Ursprungs und in der Lage sind, Wassermengen wie von Zauberhand versickern zu lassen.
Bundesligaspiele auf Schnee, mit rotem Ball, die Linien vom Platzwart mühsam freigekratzt – diese Bilder gibt es heute nur noch im nostalgieverbundenen TV-Format von Arnd Zeigler am Sonntagabend im WDR zu sehen. Wehmütig erinnern wir uns an Partien, in denen der Kampf gegen das Dahinrutschen die Akteure über Teamgrenzen hinweg verband und ihnen ein solidarisches Lächeln aufs Gesicht zauberte. Fußball war ein bisschen unberechenbarer, ein echtes Spiel. Der sehr ernst gewordene Wettbewerb um hohe Summen duldet diese Leichtigkeit nicht mehr. Eher werden Spiele abgesagt als unter nicht optimalen Bedingungen ausgetragen. Kalibrierte Abseitslinie im Flockenwirbel – wäre wohl schwer zu ziehen. Freistoßspray auf Schnee ginge auch nicht.
Einen Achtungserfolg konnte General Winter allerdings am 16. Bundesliga-Spieltag der Saison 2025/26 feiern. Spielen in Bremen und Hamburg machte er den Garaus, eine starke Quote, noch dazu im tief gelegenen Norden der Republik, wo Schneefall ein außergewöhnliches Erlebnis ist. Natürlich gesteht der moderne Fußball seine Niederlage nicht ein. Er meint, die Stadien hätte er schon hingekriegt, Problemfeld sei die Anreise der Fans. Stellen wir uns also schon mal darauf ein: Straßenheizungen an Bundesligastandorten werden Pflicht.