Was für ein Lauf: Deniz Undav (M.) war in den vergangenen 15 Spielen an 17 Toren beteiligt. Jamie Leweling (li.) traf gegen Leverkusen doppelt. © IMAGO
Leverkusen – Als der „Angstgegner“ endlich besiegt war, schickte Deniz Undav seine breitbeinige Bewerbung an Julian Nagelsmann. Er habe „die Qualität, bei der WM dabei sein zu dürfen“, betonte der Stürmer des VfB Stuttgart, ehe er ein weiteres attraktives Argument lieferte: Wenn ein Team so lange unterwegs sei wie bei einer WM, dann brauche es ja auch „eine geile Sau wie mich, die Stimmung macht“.
Undav stach mit seiner frechen Forderung heraus. Wie seine Teamkollegen hatte der 29-Jährige zuvor beim 4:1 (4:0) bei Bayer Leverkusen auf dem Platz überzeugt. Es waren allen voran die Nationalspieler des VfB, die in die Hauptrollen schlüpften, als Stuttgart den ersehnten Erfolg gegen Bayer einfuhr und Spannung in den Kampf um die Königsklasse brachte. Es sei „natürlich viel zu früh“, gab Sportvorstand Fabian Wohlgemuth zwar zu, „aber wenn man über die WM redet, hat der eine oder andere einen richtigen Schritt gemacht.“
In Leverkusen hatten sich Undav und Co. in einen Rausch gespielt. Schon vor der Pause traf der Angreifer (45.+2), glänzte als Vorbereiter beim Doppelpack von Jamie Leweling (7./45.) – und erlaubte sich auch noch eine kleine Spitze gegen seinen DFB-Kollegen. „Wenn ihr wüsstet, wie schlecht er die letzten Tage geschossen hat“, sagte Undav über Lewelings Qualität als Vollstrecker: „Dann würdet ihr das gar nicht glauben.“
Weil etwa auch Maximilian Mittelstädt (29.) lässig vom Punkt einschob und Torhüter Alexander Nübel in den entscheidenden Momenten bärenstark reagierte, brach der VfB seinen Bayer-Fluch. Er könne sich kaum erinnern, meinte Undav, dass schon einmal derart „alles für uns lief“.
Seit 15 Pflichtspielen und über sieben Jahre hatten die Schwaben auf einen Erfolg gegen Leverkusen gewartet, nur ein Sieg sprang seit 2010 heraus. Viel hatte sich über die Jahre „aufgestaut“, sagte Wohlgemuth über die Duelle mit dem Ex-Meister, die zuletzt meist Spektakel gebracht hatten, aber selten positiv für den Pokalsieger geendet waren. Der VfB-Funktionär sprach nun von einem „Zeichen der Stärke“.
Auch Sebastian Hoeneß gewann erstmals in seiner Trainerkarriere gegen die Werkself – dank der DFB-Power. Schließlich hatten gleich sieben deutsche Nationalspieler in der Startelf gestanden. Doch nachdem Nagelsmann in den Vorjahren vermehrt auf einen VfB-Block gesetzt hatte, waren zuletzt im November nur Nübel und Leweling nominiert worden. Insbesondere die Nichtberücksichtigung von Angelo Stiller empörte die Bosse in Stuttgart.
Spätestens seit dem Wochenende dürfte der Bundestrainer die Formkurve der VfB-Stars aber wieder genauer beobachten. Leweling, der am Samstag seinen Verbleib trotz eines Multimillionen-Angebots aus der Premier League bestätigte, scherzte bereits, dass er zu gerne „die eine oder andere Nacht“ im WM-Quartier in Winston-Salem verbringen würde. Und Undav? Hat 17 Torbeteiligungen in den jüngsten 15 Partien. Was für ein Lauf.SID