Bald rollt er wieder: Kauczinskis Löwen sind bereit für den Neustart der Liga. © Sampics
München – Schnee statt Sonne – zumindest das Team darf sich bis Montagnachmittag von den Belek-Strapazen erholen. Für die Spieler ging es vom Flughafen direkt in ein verlängertes Winter-Wochenende – nur Markus Kauczinski hatte am Samstag einen Anschlusstermin. Der 1860-Coach war Studiogast bei „Heute im Stadion“ und plauderte gut gelaunt mit BR-Moderatorin Sina Wende.
Sportlich zog Kauczinski ein positives Belek-Fazit: „Top-Bedingungen, super Rasen, viel Zeit miteinander. Das hat uns als Mannschaft zusammengeschweißt.“ Der deutliche Sieg im Testspiel gegen Winterthur (4:1) diente als Standortbestimmung – und als Fingerzeig für den Re-Start der 3. Liga.
Allerdings kehrten die Löwen nicht ohne Sorgen zurück. Nach Kapitän Jesper Verlaat und Manuel Pfeifer erwischte es in Belek auch Sean Dulic muskulär. Der Innenverteidiger fällt aus – ein weiterer Nackenschlag, der Kauczinskis defensive Planungen beeinflusst.
Trotz der Ausfälle zeichnet sich für den Rückrundenstart gegen Rot-Weiss Essen (Samstag, 14 Uhr) eine klare Startelf ab. Im Tor ist Marco Dähne gesetzt. Die Dreierkette davor stellt sich von selbst auf: Schifferl als Dulic-Ersatz, im Zentrum Reinthaler als Stabilisator und Vertreter von Kapitän Verlaat (Wade verhärtet). Links Siemen Voet, der nach überstandener Grippe und Gelbsperre wieder zur Verfügung steht.
Auf der Doppelsechs spricht alles für Philipp Maier und einen jungen Nebenmann: Samuel Althaus. Der Allrounder, gestern 20 geworden, hat sich mit seiner unbekümmerten Spielweise empfohlen – auch weil Alternativen rar sind.
Die Flügel sind ebenfalls fest vergeben: Clemens Lippmann wechselt nach rechts, links hat sich Rückkehrer Kilian Jakob nach überstandener Verletzung den Platz erkämpft. Alternativen wären Marvin Rittmüller und Tim Danhof.
Im Zentrum führt kein Weg an Kevin Volland vorbei. Der Star des Teams hat seine Knieprobleme auskuriert, sprüht weiterhin vor Spielfreude, alles läuft über ihn. Und ganz vorne? Vieles deutet darauf hin, dass sich David Philipp den Platz neben Patrick Hobsch geschnappt hat. Philipp bringt weniger Tempo mit als Sigurd Haugen, dafür eine feine Technik.
Vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, in Essen gleich ein Aufstiegsrivale vor der Brust – die Rechnung ist schnell gemacht. Kauczinski kennt die Sehnsucht der Fans, teilt sie sogar. Doch er bleibt seiner Linie treu. Oder wie er es im BR formulierte: „Es bringt mir nichts, auf das Bergkreuz zu schauen, wenn ich noch so viele Etappen vor mir habe.“
Heißt: Das Umfeld darf träumen. Die Mannschaft aber schaut von Spiel zu Spiel. Erst Essen, dann die nächste Etappe. In einer 3. Liga, die Kauczinski als „wild, eng und voller Leidenschaft“ beschreibt – und in der jedes Hoch ebenso mühsam erarbeitet werden muss wie der nächste Schritt bergauf.
Der Gipfel ist sichtbar. Aber der Weg dorthin bleibt steinig.ULI KELLNER