In seiner Heimat Tirol sorgt er für einen Hype: U 17-Weltmeister Loris Husic. © Sampics
Jetzt oder nie: Damjan Dordan hatte viel Verletzungspech – jetzt, mit 22, ist er auf dem Sprung. © Sampics
Treffsicher wie sein Vater: Weltmeistersohn Noah Klose (20) drängt ins Profiteam der Löwen. © Sampics / Stefan Matzke
München – Erst Manuel Pfeifer, dann Kapitän Jesper Verlaat, schließlich auch noch Sean Dulic. Drei 1860-Profis, die in den Tagen von Belek unfreiwillig in den Fokus rückten – als Neuzugänge einer ohnehin schon gut gefüllten Kranken- und Reha-Station. Verletzungen und Belastungsreaktionen bestimmen das Bild im Trainingslager des TSV 1860.
Im Schatten dieser Sorgen traten fast beiläufig drei junge Spieler auf den Plan, die vor der Reise in die Türkei nur wenige als echte Optionen für den Profikader auf dem Zettel hatten: Noah Klose, Damjan Dordan und Loris Husic. Drei Talente aus dem eigenen NLZ, drei komplett unterschiedliche Profile – ein Weltmeistersohn, ein Spätstarter und ein österreichischer U 17-Vizeweltmeister.
Die Sportliche Leitung verfolgt ihre Entwicklung aufmerksam – und mit wachsender Zufriedenheit. „Es war absolut richtig, die drei mitzunehmen“, sagt Geschäftsführer Manfred Paula. „Sie können alle gut mitmachen – das sieht man in jeder Trainingseinheit.“
Noah Klose – der Weltmeistersohn
Noah Klose (20) ist im Trainingslager kein Neuling mehr. Der Sohn von Weltmeister Miroslav Klose war schon zuvor mehrfach bei den Profis dabei – nun rückt er stärker in den Fokus. „Wir sehen bei Noah sehr, sehr gute Ansätze“, sagt Paula. „Er hat eine gute Abschlussqualität und technische Fähigkeiten, die perspektivisch absolut interessant sind.“
Noch geht es für den Stürmer darum, sich an das Tempo und die Robustheit im Profibereich zu gewöhnen. Doch der Eindruck ist positiv: Klose agiert unaufgeregt, sucht Abschlüsse – und empfiehlt sich als möglicher Joker. Luan, sein Zwillingsbruder, hat 1860 übrigens im Sommer verlassen. Nach einer Krankheitsgeschichte (Pfeiffersches Drüsenfieber) hat er sich dem Landesligisten TSV Grünwald angeschlossen.
Damjan Dordan – das späte Versprechen
Damjan Dordan ist mit 22 Jahren der Älteste des Trios – und derjenige mit der kompliziertesten Geschichte. „Er hatte immer ein riesiges Potenzial“, sagt Paula. „Im süddeutschen Raum war er in seinem Jahrgang einer der besten Sechser.“
Was ihn bremste, waren Verletzungen – immer wieder zur falschen Zeit. „Das hat ihn zurückgeworfen“, so Paula. Nun scheint der Knoten zu platzen. Dordan wirkt körperlich stabil, präsent im Zentrum, mit gutem Spielverständnis. „Dieses halbe Jahr wird entscheidend für ihn“, betont der Geschäftsführer. Schon unter Maurizio Jacobacci war Dordan nah dran am Profikader. Mehr denn je gilt für ihn: Jetzt oder nie!
Loris Husic – der U 17-Vizeweltmeister
Der Jüngste im Bunde ist Loris Husic, österreichischer U 17-Vizeweltmeister – ein Titel, der Aufmerksamkeit erzeugt, aber intern bewusst relativiert wird. Paula lobte in Belek die „sehr guten Auftritte“ von Husic im Training – „auch was die Körperlichkeit betrifft“. In seiner Tiroler Heimat sei „ein kleiner Hype“ um Husic entstanden, konkrete Anfragen gebe es aber noch nicht. „Wir sind gut beraten, Schritt für Schritt mit ihm zu gehen“, sagt Paula. „Behutsam aufbauen, behutsam begleiten.“ Die Voraussetzungen stimmen – sportlich wie vertraglich (zunächst bis 2027).
Bei 1860 wird der Nachwuchsarbeit unter neuer Führung noch mehr Platz eingeräumt. Sie soll kein reines PR-Siegel sein – sondern das Profiteam mit preisgünstigen Talenten speisen. Und genau das könnte nun schneller gehen als gedacht. Die angespannte Personallage eröffnet Chancen. Es wäre keine Überraschung, wenn Chefcoach Markus Kauczinski seinen Kader mit genau diesen drei Junglöwen auffüllt.
Dordan kommt beim Rückrundenstart gegen Essen (Samstag, 14 Uhr) sogar für einen Startelf-Einsatz infrage – als zweiter Sechser neben Philipp Maier (alternativ: Samuel Althaus). Klose darf auf Einsätze als Sturmjoker hoffen, Husic ist im Mittelfeld flexibel einsetzbar.
Gut für die Löwen: Mit Kauczinski steht ein Trainer an der Seitenlinie, der weiß, wie man Talente entwickelt. 2016 wurde er dafür beim Karlsruher SC mit dem DFB-Trainerpreis ausgezeichnet. Schon in Belek machte er deutlich, dass er dem Trio einiges zutraut – inklusive eines schnellen Debüts in der 3. Liga.ULI KELLNER