Angriff auf Europa?

von Redaktion

NBA treibt Planungen für die neue Liga rasant voran – doch es bleiben Fragezeichen

Gibt den Ton an in der NBA: Adam Silver. © Imago

Gibt es das Duell zwischen Madrid und Barcelona bald in der Euroleague? Die spanischen Teams sind Kandidaten für die neue Liga. © Imago

Berlin – Für die NBA beginnt eine heiße Phase. Die beste Basketball-Liga der Welt gastiert mit den Orlando Magic und Memphis Grizzlies erst in Berlin, dann in London. Wie schon die National Football League, will auch die beste Basketball-Liga der Welt mit den internationalen Spielen neue Märkte erschließen und ausbauen. „Heute ist Basketball die am schnellsten wachsende Sportart in Europa und nach Fußball die zweitbeliebteste Mannschaftssportart“, sagt Henry Birch, Head of Business Development bei der NBA.

Der Deutsche Basketball Bund (DBB) verzeichnet 288 444 Mitglieder, ein Plus von 80 000 seit 2021. Die goldenen Erfolge der Nationalmannschaft bei der Welt- und Europameisterschaft. „Im Mini-Bereich gab es einen Zuwachs von zehn Prozent. Das ist für uns ein super Anzeichen“, sagt DBB-Präsident Ingo Weiss: „Wenn du einmal mit dem Basketball-Virus infiziert bist, bleibst du meist ein Leben lang. Egal, ob als zukünftiger Dennis Schröder, Schiedsrichter, Trainer oder Funktionär.“

Basketball boomt in Europa. Und das nicht nur im Nachwuchs, sondern auch in der Spitze bei den Profis. In den letzten sieben Jahren konnten sich gleich fünfmal europäische Spieler die Auszeichnung als MPV, also wertvollster Akteur der Liga, in der NBA sichern. „Tatsächlich standen rekordverdächtige 71 europäische Spieler am ersten Spieltag in den Kadern, das sind etwa 15 Prozent der Liga“, sagt Birch: „Wir haben das Glück, so viele europäische Spieler zu haben, die das Interesse vor Ort wecken, was in der letzten Saison etwa zu unseren höchsten Einschaltquoten im französischen Fernsehen geführt hat.“ Mit Zugpferden wie Victor Wembanyama. Der Dunk des 2,24 m großen Superstars gegen die Boston Celtics ist mit über 150 Millionen Aufrufen das erfolgreichste NBA-Video aller Zeiten auf Social Media.

Die NBA will die Leidenschaft (und das Konsumverhalten) der Basketball-Fans in Europa sowie den riesigen Pool an Talenten nutzen, um eine eigene Liga ins Leben zu rufen. Bereits 2027 soll es so weit sein, in diesem Monat sollen weitere Details geklärt und ausgearbeitet werden. Einige Rahmendaten gibt es bereits. 16 Teams sollen starten, zwölf permanente Mannschaften, hinzu vier Vereine, die es über ein Qualifikationssystem (etwa als Sieger der Champions League) schaffen können. Als mögliche Standorte gelten Berlin, London, Manchester, Paris, Lyon, Madrid, Barcelona, Mailand, Rom sowie Athen und Istanbul. Auch München hätte die NBA gerne mit dabei. „In manchen Städten starten wir komplett bei null“, George Aivazoglou, verantwortlich für Europa und den Mittleren Osten. In anderen Städten werden intensive Gespräche mit Fußballvereinen wie Manchester United geführt, auch in Deutschland soll es mehrere Vereine mit konkretem Interesse an der neuen Liga haben. ESPN berichtete zudem, dass die NBA bereits (milliardenschwere) Investoren für das Projekt gewinnen konnte.

Es bleiben jedoch Fragezeichen. Mit der Euroleague gab es bereits den Bruch, der Platzhirsch nannte die Pläne von NBA und FIBA „eine Bedrohung für die langjährige Tradition des europäischen Basketballs“. Zudem hinterfragen Experten bereits, ob das amerikanische System mit Salary Cap (Gehaltsobergrenze), Trades (Spielertausch) und Draft (Lotterie für die besten Talente) aus EU-rechtlicher Sicht haltbar ist. Die neuen Teams würden sich in die NBA Europe einkaufen, mindestens 500 Millionen Dollar (!) bis eine Milliarde Dollar (!!) soll die Gebühr betragen. „Wir müssen genau prüfen, wie das wirtschaftliche Modell voraussichtlich zu einem Wandel führen wird, bei dem traditionelle Vereine ausgeschlossen werden, zugunsten globaler Investmentfonds und staatlich unterstützter Klubs, die als einzige in der Lage sein werden, die hohen Kosten zu tragen“, sagt Bogdan Zdrojewski, Mitglied des Europäischen Parlaments.

Klar ist: Die NBA wird keinen Rückzieher machen. Ob der Dunk gelingt, bleibt aber abzuwarten.NICO-MARIUS SCHMITZ PATRICK REICHELT

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