Es herrscht ein Ungleichgewicht im modernen Fußball. Weil die Marktwerte von Fußballern immer höher werden, können sich Vereine kaum gegen ihre Eskapaden wehren. Solange ein Profi jung und talentiert (und damit: extrem wertvoll) ist, muss der Verein alles daran setzen, ihm zum Erfolg zu verhelfen. Denn wenn der Spieler dann gut spielt, wächst auch sein potenzieller Verkaufswert. Und wenn er nicht funktioniert, aber teuer eingekauft wurde, entsteht ein großer wirtschaftlicher Schaden.
Für Trainer ist der Ein- und Verkaufsmarkt dagegen noch moderat, die höchste jemals gezahlte Ablösesumme beträgt 25 Millionen vom FC Bayern für Julian Nagelsmann im Jahr 2021. Entsprechend ist man bei schlechten Leistungen einer Mannschaft eher dazu geneigt, den Trainer zu entlassen anstatt bestimmten Spielern einen Denkzettel zu verpassen.
Bestens zu beobachten ist das nun bei Real Madrid: Die Königlichen feuerten Xabi Alonso nach dem verlorenen Finale des Supercups. Neben durchwachsenen sportlichen Leistungen (Real steht aber in der Liga auf Platz zwei mit vier Punkten Abstand zu Barcelona) galt vor allem das zerrüttete Verhältnis zu den Superstars als Grund für sein Aus. Alonso soll den Profis gleich zu Beginn seiner Amtszeit verschiedene Privilegien wie Auslandsreisen während der Saison gestrichen haben oder in den Trainings auf höhere Intensität gepocht haben. Andere Spieler beschwerten sich über falsche Positionen (Valverde) oder zu wenig Spielzeit (Rodrygo und Vinicius Junior). Nun wäre es die beste Lösung, diese Beschwerden zu ignorieren und weiter so aufzustellen, wie es den größtmöglichen Erfolg auf dem Platz verspricht.
Nicht aber so bei Real Madrid. Anstatt am üppigen Star-Ensemble einzusparen, wurde der Trainer gefeuert – das ist ja schließlich deutlich billiger. Neben all den wirtschaftlichen Überlegungen droht Real aber, das Sportliche aus den Augen zu verlieren. Statt dem vielversprechenden, aber widerwilligen Alonso übernimmt nun Alvaro Arbeloa das Team. Er wird sich kaum mit den Egos im Club anlegen – ob er jedoch wirklich der bessere Trainer ist, darf bezweifelt werden.