Eric Perrot will auch den Gesamtweltcup. © Herbst/Imago
Dorothea Wierer schwitzte schon in Antholz. © Instagram
Kommt in Fahrt: Franziska Preuß. © Schmidt/dpa
Oberhof/Ruhpolding – Es ist ein verbreitetes Phänomen, dass Sportlerinnen und Sportler kurz vor ihrem Saisonhighlight die Wettkampfbelastung herunterfahren. Bei Zehnkämpfer Leo Neugebauer hat es vergangenes Jahr perfekt geklappt: Vor seinem Weltmeistertitel ließ Deutschlands Sportler des Jahres mehrere Disziplinen bei seiner Generalprobe bei den Deutschen Meisterschaften aus und sparte Kräfte.
Aktuell werfen die Olympischen Spiele von Cortina d‘Ampezzo (6. bis 22. Februar) ihre Schatten voraus. Und in diesem – also fernab der Öffentlichkeit – bewegten sich in der vergangenen Woche auch die italienischen Top-Biathletinnen Dorothea Wierer (35) und Lisa Vittozzi (30). Während ihre Kolleginnen in Oberhof um Weltcup-Punkte kämpften, schliffen die Italienerinnen in Trainingslagern an ihrer Olympia-Form. Dabei lagen Wierer und Vittozzi nach dem ersten Trimester im Gesamtweltcup auf den Rängen drei und sieben. Die Priorität ist klar!
Für Franziska Preuß ist freiwilliges Auslassen vor Großereignissen keine Option. „Ich bin eher Fan davon, dass man alles läuft, um einfach im Rhythmus zu bleiben“, sagte die 31-Jährige unserer Zeitung vor dem Auftakt heute in Ruhpolding (Staffel, 14.30 Uhr, ZDF). Auch weil sie bereits zwei Weltcupwochen aufgrund ihrer Corona-Erkrankung verpasst hatte, sind ihr die Rennen jetzt „richtig wichtig“.
Die Form nach verpatztem Saisonstart ist aufsteigend, auch ihre Ergebnisse aus Oberhof können sich sehen lassen: 5. Platz im Sprint, 5. in der Verfolgung, und zudem führte Preuß die Frauen-Staffel auf Rang drei. Am Ende sei die Trainings- und Wettkampfplanung laut Preuß individuell: „Manchen tut es gut, noch mal einen Trainingsblock einzubauen. Aber das Ziel ist bei jedem gleich: Dass man im Februar in Topform ist.“
In Frankreich gehen die Meinungen auseinander. Cheftrainer Simon Fourcade hatte im Dezember angedeutet, im Januar seine Medaillen-Kandidaten zu schonen. Sein heißestes Eisen für die Spiele in Antholz, Eric Perrot, sagte nun aber, dass er eher den Preuß-Weg bevorzugt. Denn der 24-Jährige will neben Olympia-Medaillen auch den Gesamtweltcup gewinnen. In Oberhof überholte der Franzose den nicht angereisten Norweger Johan-Olav Botn (Krankheit) und steht hinter Tomaso Giacomel auf Rang zwei.
Die aufgrund von Sivert Bakkens Tod weiterhin unter Schock stehenden Norweger werden den letzten Weltcup vor den Winterspielen im tschechischen Nove Mesto (22. bis 25. Januar) auslassen. In diesem Zeitraum halten die Olympia-Teilnehmer ein letztes Trainingslager ab – und zwar nun doch in Lavaze.
In einem Hotel in diesem Ort in Südtirol fand Botn seinen Teamkollegen Bakken kurz vor Weihnachten tot auf. Die Norweger hatten eine örtliche Verlegung diskutiert, in Oberhof hatte Teammanager Per Arne Botnan bekanntgegeben, dass man am ursprünglichen Plan festhalten werde.ALEXANDER VORMSTEIN