Freude im Familien-Fanblock: In der Mitte jubeln Beate Wagner und Axel Schulz, links oben und rechts unten die da Silvas. © Imago (3)
Weltmeister-Lächeln: Moritz, Beate und Franz Wagner sowie Axel Schulz.
Einmal grinsen bitte: In der Mitte die Europameister Tristan und Oscar, flankiert von den Eltern Valdemar und Christine.
Jubeln mit Stil: Franz (l.) und Moritz Wagner. © IMAGO
Mit der Medaille: Tristan (l.) und Oscar da Silva. © IMAGO
Beate Wagner ist aus Orlando zugeschaltet, Christine da Silva aus München. Ein besonderes Interview vor einer besonderen Partie. Am Donnerstag spielen die Orlando Magic gegen die Memphis Grizzlies (20.00). Und das in der Uber Arena in Berlin. Die NBA möchte den europäischen Markt erobern. Und wie ginge das besser mit Orlando um die drei deutschen Nationalspieler Franz und Moritz Wagner sowie Tristan da Silva. Im Gespräch mit unserer Zeitung sprechen Wagner und Da Silva über den Weg ihrer Basketball-Söhne, Limousinen von College-Scouts, eine besondere Wiesn-Woche und Emotionen auf der Tribüne.
Beate Wagner, Moritz und Franz haben auf den Freiplätzen und in den Hallen von Berlin mit Basketball angefangen, nun reisen sie als Spieler der Orlando Magic für ein NBA-Spiel an.
Wagner: Es liegt eine Spannung in der Luft. Natürlich versuchen wir, den Ball flach zu halten. Aber das ist eine sehr besondere Situation. Beide freuen sich unglaublich darauf, nach Hause zu kommen und dort dieses Spiel zu feiern. Sie haben ganz viele Leute von früher eingeladen und allen Bescheid gesagt. Da stehen auf der Liste alte Freunde aus der Schule, Trainer, ganz viele Wegbegleiter.
Christine da Silva, Tristan hat schon gesagt, dass er sich auf Döner freut.
Da Silva: Zu meiner großen Überraschung (lacht).
Wagner: Christine, wir haben unseren Kindern viel zu viel gutes Essen gegeben, auf einmal lieben sie Döner (lacht).
Da Silva: Das ist bei Tristan aktuell wohl die größte Aufregung, wo es den größten Döner gibt (schmunzelt). Aber natürlich ist das auch für uns eine besondere Situation. Meistens ist es so, dass solche Momente dann schnell vorbeiziehen. Da muss man aufpassen, dass man alles auch richtig aufsaugt und genießt. Es kommt eine ganze Truppe für Tristan angereist. Unter anderem zwei enge Freunde, die den ganzen Weg mitgegangen sind.
Wann ist der Funke für Basketball bei den Brüdern übergesprungen? Welche Bedeutung hat Sport in der Kindheit gespielt?
Da Silva: Ich bin ja total unsportlich, deshalb hat Sport für mich erstmal keine große Rolle gespielt, um ehrlich zu sein (schmunzelt). Ich wollte immer, dass sie ein Instrument spielen. Beide waren auch im Orchester. Valdemar (der Vater Anm. d. Red.) war Sportler, beziehungsweise das ist er bis heute durch und durch. Wir fanden es beide wichtig, dass die Jungs sich bewegen und in einer Sportgemeinschaft gut aufgehoben sind. Das mit dem Fußball hat sich schnell erledigt, Oscar war da denkbar unbegabt für (lacht). Der Basketball hat dann seinen Weg in unser Leben gefunden. Wir waren jedes Wochenende bei irgendwelchen U-Turnieren in der Halle. In aller Früh hat man Nudelsalat vorbereitet und den sonst wo hingefahren. Erst in Bayern, und dann wurden die Wege immer weiter.
Wagner: Da kann ich bei ganz vielen Punkten einen Check hinter machen. Instrumente waren auch mein Ziel, das hat zumindest bei Moritz eine Zeit lang geklappt, er hat Cello gespielt. Wir haben uns immer alle bewegt in der Familie. Bei den Basketball-Anfängen von Moritz und Franz ging es aber nicht um unsere Motivation als Eltern oder den Disziplin-Gedanken. Wir haben gesehen, dass sie Freude haben, das wollten wir ermöglichen.
Frau Wagner, Sie beschreiben in Ihrem Buch, wie dann eines Tages der College-Trainer aus Michigan nach Berlin angeflogen kam, um mit Moritz zu sprechen. Es gab Lamm.
Wagner: Wir wussten, dass er inkognito und nur für den Besuch von Moritz kommt. Es hat sich sofort gut angefühlt, er war so sympathisch, sodass Axel und ich sofort Vertrauen gefasst gehabt. Aber den Moment, als die schwere, schwarze Limousine vorfuhr, werden wir nie vergessen (lacht).
Frau da Silva, bei Ihnen sind damals innerhalb einer Woche zahlreiche Scouts nach München geflogen.
Da Silva: Es gab einen Schlüsselmoment. Eineinhalb Jahre, bevor Oscar in die USA gegangen ist, hat die Universität von Princeton an Heiligabend angerufen. Das war das erste Mal, dass es Gespräche über ein Stipendium gab. Ich weiß gar nicht, ob Oscar damals Profi werden wollte. Es ging eher darum, wie er sich das Studium durch Basketball finanzieren kann. Eine Woche vor der Wiesn sind dann sämtliche College-Scouts gekommen. Ich bin PR-Manager der Gastro-Unternehmer und Wiesnwirte Kuffler, es hätte also keinen ungünstigeren Zeitpunkt geben können (lacht). Innerhalb von einer Woche haben wir die vier Scouts durchgefüttert. Realisiert habe ich das erst später. Man hat geredet, dann waren sie auch wieder weg und O‘zapft is. Ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken.
Wie wichtig war es für Franz und Tristan, dass Moritz und Oscar vorher schon Erfahrungen gesammelt hatten und den Weg übers College gegangen sind?
Wagner: Das war total hilfreich. Die großen Jungs haben ordentlich vorgearbeitet. Für Franz war der rote Teppich eigentlich ausgerollt. Moritz ist damals ins Nichts gestartet. Damals wussten wir überhaupt nicht, wie das jetzt ablaufen würde.
Da Silva: Tristan hat gesehen, dass es Oscar am College gefällt, und dann auch selbst so richtig Gas gegeben mit dem Sport. Das hat ihm einen Boost gegeben. Colorado Boulder haben Tristan dann ein bisschen wie eine Katze im Sack gekauft, weil sie Oscar kannten. Beide Seiten sind Risiken eingegangen, aber es hat sich voll ausgezahlt.
Drei deutsche Spieler in einem NBA-Team. Der Einstieg in die Liga ist durch den Draft schon besonders. Wie würden Sie die NBA-Welt beschreiben?
Wagner: Ich muss mich manchmal kneifen, dass die Jungs jetzt schon so viele Jahre in der Liga spielen. Selbst bei Franz sind es schon fünf Jahre. Die NBA ist eine eigene Branche, ein eigener Wirtschaftszweig. Das ist eine eigene Welt, die aus sich heraus funktioniert. Es gibt aber auch große Unterschiede, was die Franchises angeht. Orlando ist ein sehr ruhiger Ort, wenn man mal von der Disney World absieht, hier ist alles familiär. In Los Angeles bei den Lakers war das total anders.
Da Silva: Für uns ist das alles noch ganz neu. Es ist eine andere Welt, wir sind immer noch geflasht. Aber man muss auch ganz klar sagen, dass eben nicht immer alles nur Glamour ist. Das kann teilweise auch desillusionierend sein.
Wagner: Die NBA hört sich erstmal toll an. Die Realität ist dann oft nicht mehr ganz so glitzern, es gibt normale, weltliche Probleme. Wenn man den professionellen Basketball in Europa und USA vergleicht, prallen verschiedene Systeme und Herangehensweisen aufeinander. Eine amerikanische Journalistin sinnierte kürzlich über die Frage, warum viele der besten NBA-Spieler in den letzten Jahren aus Europa kommen. Ihr Fazit fand ich interessant: Die amerikanische Gesellschaft ist darauf aufgebaut, dass Geld eine sehr zentrale Rolle spielt. Und im Basketball kann man nun mal viel Geld verdienen. Und es zählt, früh ein Star oder bekannt zu werden. In Europa spielen die Kinder Basketball, weil sie diesen Sport toll finden und die Coaches versuchen, aus ihnen erst einmal Teamplayer zu machen.
Die Wagners und Da Silvas spielen auch in der Nationalmannschaft äußerst erfolgreich zusammen. Weltmeister und Europameister. Was geht in einer Mutter auf der Tribüne vor, wenn der Sohn auf dem Parkett um einen Titel spielt?
Wagner: Wir sind da meist ein Knäuel aus Eltern, Freunden und Spielerfrauen, die alle schreien (lacht).
Da Silva: Und beim Finale alle patschnass von oben bis unten (lacht). Ich habe nicht die besten Nerven. Ich muss den TV auch manchmal ausschalten, wenn ich sie spielen sehe, weil ich es nicht aushalte. Ich muss immer sagen: Es beeindruckt mich, wenn ich euch schreien höre. Da bist du immer vorne mit dabei, Beate (lacht). Man ist also auch nach einigen Jahren nicht abgebrüht, sondern immer noch voll dabei.
Wagner: Das geht auch gar nicht anders, diese Emotionen werden immer bleiben!
INTERVIEW: N. M. SCHMITZ