Das DBB-Team, hier mit Bonga, begeistert. © Imago
Sportlich schätzt Ingo Weiss die EuroLeague, für die Organisation dahinter findet er kritische Worte. © Imago
Ingo Weiss ist seit 2006 Präsident des Deutschen Basketball Bundes und seit 2014 Schatzmeister des Weltverbandes FIBA. Im Interview mit unserer Zeitung spricht der erfahrene Funktionär über die Erfolge der Nationalmannschaft, die Pläne der NBA und kritisiert die Organisation der EuroLeague deutlich.
Ingo Weiss, die Basketball-Nationalmannschaft ist Welt- und Europameister, die Mitgliederzahlen schnellen in die Höhe, die TV-Quoten überzeugen. Wie wichtig sind Spieler wie Dennis Schröder oder Franz Wagner für das aktuelle Wachstum?
Da kann man Franz Wagner ja direkt als Beispiel nehmen. Er hatte auch ein Poster von Dirk Nowitzki im Zimmer hängen. Wenn ich eines Tages mit dem Rollator in die Halle gehe, wird vielleicht mal ein aktiver Basketballer sagen, dass er damals ein Wagner-Poster im Zimmer hatte (lacht). Diese local heroes sind extrem wichtig, es entsteht eine Identifikation.
Der DBB hat sich als Ziel gesetzt, bis 2032 an allen 15 000 Grundschulen in Deutschland Basketball anzubieten. Bei einigen Vereinen gibt es schon einen Anmeldestopp. Es muss also gezielt in die Infrastruktur investiert werden, um dem Boom gewachsen zu sein.
Definitiv. In Berlin gibt es beispielsweise über 1500 junge Kinder, die spielen wollen, aber nicht untergebracht werden können. Wir haben natürlich alle keinen Gold-Esel im Keller, aber der Investitionsfond der Bundesregierung für den Sport wird helfen, um gezielt die Infrastruktur zu verbessern.
Immer mehr deutsche Talente wechseln ans US-College, da dort viel Geld zu verdienen ist. Für die deutschen Vereine, die viel in die Ausbildung investieren, ist das ein großes Ärgernis.
Das Problem hängt mit den Colleges, den deutschen Vereinen, den Athleten und Agenten zusammen. Es ist klar, dass eine Lösung gefunden werden muss. Aufgrund der verschiedenen Faktoren ist das aber sehr kompliziert. Die FIBA hat eine Arbeitsgruppe mit Juristen und den verschiedenen Parteien installiert, um einen entsprechenden Weg zu finden. Wir müssen unseren Spielern auf Dauer aber auch eine Perspektive und somit gute Entwicklungschancen in den Ligen bieten.
Die NBA finalisiert aktuell die Pläne für eine Liga in Europa, die dann in einem Konkurrenzverhältnis zur EuroLeague stehen wird. Finden Sie es schade, dass keine gemeinsame Lösung gefunden wurde?
Ich bin ein absoluter Fan der EuroLeague. Ich bin aber kein Freund der Organisation der EuroLeague. Das, was aktuell dort passiert, ist – mit Verlaub gesagt – unter aller Sau. Die EuroLeague sollte in Europa spielen und nicht in Dubai. Die Flüge dorthin in einem vollgepackten Kalender, wie zuletzt auch bei Bayern München, sind der absolute Wahnsinn. Ich gehe fest davon aus, dass einige Vereine in die NBA-Liga wechseln werden. Damit meine ich Mannschaften wie Alba Berlin, Barcelona, Madrid und die französischen Teams. Am Ende des Tages wird sich herauskristallisieren, dass es nur noch einen guten europäischen Wettbewerb gibt. Es wird vielleicht ein oder zwei Jahre einen Parallel-Wettbewerb geben. In der NBA-Liga werden die Spieler aber für die Nationalmannschaft freigestellt und man akzeptiert die Regeln der FIBA. Es wird ein System mit Auf- und Abstieg geben, der Unterbau ist die Champions League. Irgendwann wird die EuroLeague sagen: Lasst uns doch reden und überlegen, wie wir fusionieren können. Das wird dann aber nicht mehr auf Augenhöhe sein.
Es gab die Gesprächsbereitschaft der NBA, aber keine Einigung mit der EuroLeague.
Ich war persönlich dabei. Die EuroLeague hat dreimal ein Angebot bekommen von der NBA und dreimal hat man das Angebot ausgeschlagen. Ich verstehe, dass die NBA-Chefs in New York nun sagen: Dann rutscht uns den Buckel runter und wir machen es selbst.
Man hört von Fußballvereinen, wie etwa Borussia Dortmund oder Manchester United, die an der NBA Europe interessiert sind.
Da gibt es auch noch weitere Fußballvereine in Deutschland, die das Ganze interessant finden. Das würde dem Basketball mit Sicherheit noch mal einen Schub geben. Die beste Vorlage ist ja Bayern München. Da muss man Bernd Rauch und Uli Hoeneß noch mal ausdrücklich loben, da wurde ein hervorragender Job gemacht.
INTERVIEW: N.-M. SCHMITZ