Mit den Wagner-Brüdern am Brandenburger Tor, Tristan da Silva ist bereit fürs Berlin-Spiel. © NBA Europe
Kommt er in seinen Modus, ist Tristan da Silva nur schwer aufzuhalten. Egal ob bei Orlando oder der deutschen Nationalmannschaft. © Bello/AFP
Berlin – Einzig die Lichttherapie hat noch nicht ganz gefruchtet. Die Orlando Magic versuchen dieser Tage alles, um ihren Stars die Zeitverschiebung zu erleichtern. Von Orlando mit Temperaturen um die 16 Grad ins graue, kalte Berlin. „Das mit den Lichtern hat bei mir noch nicht richtig gekickt“, sagt Tristan da Silva und lacht.
Natürlich ist das Spiel von Orlando gegen die Memphis Grizzlies am Donnerstag in der Uber Arena (20 Uhr) auch für da Silva ein besonderes. In diesen Tagen sind die Erinnerungen an die Anfänge im Basketball besonders präsent. Erst beim DJK Sportbund München, dann auf der Internationalen Basketballakademie München und beim MTSV Schwabing. „Ich denke oft daran zurück. Ich bin immer noch im Kontakt mit den Trainern und der Organisation. Das war eine schöne Zeit, die ich nie vergessen werde.“
Tristan merkte damals, wie es dem älteren Bruder Oscar am US-College gefällt. Und gab noch mal mehr Gas. „Das hat ihm einen Boost gegeben“, erzählte Mutter Christine unserer Zeitung. Nach einer erfolgreichen Zeit am College in Colorado (und einem Abschluss in Finanzwesen) pickten die Orlando Magic Tristan da Silva an 18. Stelle im Draft. Auf der Bühne öffnete er seine Jacke, eingenäht in den Innenseiten waren die bayerische und brasilianische Flagge. Papa Valdemar ist Brasilianer, betreibt in München die Bar VER O PESO. Dem „Spiegel“ antwortete Valdemar auf die Frage, welcher der Söhne mehr Brasilianer ist: „Tristan, er war schon immer ein Tänzer.“ Mama Christine sagt: „Er hat mehr die Lässigkeit von Valdemar.“
Besonders leichtfüßig präsentierte sich der 24-Jährige bei der Europameisterschaft. Gegen Slowenien zauberte er, traf kurz vor Ende des dritten Viertels einen Wurf von der Mittellinie. „Der Half-Court Shot hat uns richtig krass Momentum gegeben, das hat dem ganzen Team geholfen und die Fans mitgenommen“, schwärmte Isaac Bonga damals. Deutschland drehte die Partie noch, ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Gold-Coup von Riga.
Zu Beginn der neuen Saison merkte Da Silva dann, dass er den EM-Schwung mit in die andere Welt nehmen kann. „Es war gut zu sehen, dass der Basketball, den ich während der EM gespielt habe, auch in der NBA funktioniert.“
Da Silva steht noch am Anfang seiner NBA-Karriere. Die besten Jahre werden noch kommen, das Können ist für jeden offensichtlich. Mit Moritz und Franz Wagner hatte er von Anfang an die richtigen Ansprechpartner zur Eingewöhnung. Die Teamchemie stimmt. Letztes Jahr spielte der Münchner auf der Trompete „Happy Birthday“ für den Teamkollegen Anthony Black. Einst spielte er im Schulorchester, den Rhythmus hat er immer noch im Blut.
Im Spiel gegen die New Orleans Pelicans kam da Silva jüngst von der Bank. In 19 Minuten kam er auf starke 16 Punkte, alleine zwölf davon im dritten Viertel. So war es schon bei der Europameisterschaft. Kommt Tristan in den Flow, tanzt er über das Parkett, ist er kaum zu stoppen, kann dem Spiel sein Tempo aufdrücken. „Ich fand es gigantisch, wie er reinkam“, sagte Trainer Jamahl Mosley. „Er war in den richtigen Momenten an der richtigen Stelle und die Jungs haben ihn gefunden. Wir brauchen in jedem Spiel jemanden, der für uns Verantwortung übernimmt und heute war das eben Tristan.“
Tristan da Silva freut sich auf die ausverkaufte Halle. Auf Fans mit Herzblut. Er hofft, dass „viele Leute schreien und einfach gute Stimmung mitbringen.“ Papa Valdemar, Mama Christine, enge Freunde aus München, sie alle werden auf der Tribüne sitzen und schreien.
Früher im Schulorchester, heute in den Basketball-Arenen. Vorhang auf für Tristan, den Tänzer.N. SCHMITZ