Der Winter geht, die Tore bleiben zu

von Redaktion

Neue Platzwart-Regelung der Stadt sorgt für Verdruss bei Münchner Vereinen

Mr. Thalkirchen: Sepp Schall, zweiter Vorstand und langjähriger Jugendleiter. © ulk

München – In den nächsten Tagen – wenn sich der Winter langsam zurückzieht – wollten viele Münchner Breitensportvereine zurück auf Regelbetrieb schalten. Große und kleine Sportler sind nach der Feiertagsruhe heiß auf den Ball, ebenso die Trainer. Doch auf vielen städtischen Sportanlagen werden die Tore länger geschlossen bleiben als geplant – nicht nur bei der SpVgg Thalkirchen.

Sepp Schall (64), zweiter Vorstand und langjähriger Jugendleiter des Vereins, bringt das Problem auf den Punkt: „Es geht ganz einfach um die Platzwarte in München – und die werden immer weniger.“

Wo früher zwei feste Platzwarte für eine Bezirkssportanlage zuständig waren, betreuen nun drei Platzwarte jeweils zwei Anlagen in einem rollierenden Schichtsystem. Was auf dem Papier nach effizienter Organisation klingt, führt in der Praxis immer wieder zu Lücken. „Teilweise ist an mehreren Tagen kein Platzwart da“, sagt Schall. „Und dann bleibt am Ende alles an den Vereinen hängen.“

Gemeint ist vor allem die Ausübung des Hausrechts. Müssen Vereine selbst aufsperren, tragen sie auch die Verantwortung – für den gesamten Zeitraum. „Wenn du aufmachst, müsstest du eigentlich den ganzen Tag vor Ort bleiben“, erklärt Schall. Unter der Woche, wenn Ehrenamtliche arbeiten, sei das kaum zu leisten. Hinzu kommt die Verkehrssicherungspflicht: räumen, streuen, kontrollieren. „Das ist einfach nicht machbar.“

Besonders im Winter spitzt sich die Lage zu. Ohne offiziell geräumten Platz darf nicht trainiert werden. Selbst wenn Trainer und ältere Jugendliche mit Schaufeln anrücken, bleibt das Haftungsrisiko beim Verein. Also bleiben Plätze gesperrt – mit Folgen vor allem für Kinder und Jugendliche. „Das zieht einen ganzen Rattenschwanz an Problemen nach sich.“ In einigen Vereinen haben Funktionäre bereits angekündigt, kürzerzutreten.

Rund 20 Münchner Breitensportvereine haben sich inzwischen zusammengeschlossen und bereiten eine Petition vor. Ziel ist eine Rückkehr zum früheren Platzwart-Modell. „Wir wollen keine Anklage“, betont Schall. „Aber wir brauchen eine Lösung, die funktioniert.“ Die von der Stadt veranschlagte Einsparung von rund 780 000 Euro stößt auf Unverständnis – gerade in einer Stadt, die sich gern als Sportmetropole präsentiert und von einem Olympia-Revival träumt.

Das Referat für Bildung und Sport verweist auf die angespannte Haushaltslage. Die Neu-Regelung sei im Rahmen von Sparvorgaben erfolgt, indem ausschließlich bereits vakante Stellen gestrichen worden seien. Den Trainingsbetrieb unter der Woche sieht die Stadt weiterhin als gesichert an: „Im neuen Modell bleibt jede Sportanlage wie gehabt von Montag bis Freitag in der Spätschicht von 14.12 Uhr bis 22.30 Uhr besetzt“, teilte das Referat auf Anfrage unserer Zeitung mit. Auch an den Wochenenden sei jeweils an einem der beiden Tage eine Betreuung vorgesehen. Eine Rückkehr zum alten System stellt die Stadt derzeit nicht in Aussicht, kündigt aber an, das Modell im Austausch mit den Vereinen weiterzuentwickeln.

In der Theorie klingt das nach geregelten Abläufen. In der Praxis berichten viele Vereine jedoch von geschlossenen Plätzen. ULI KELLNER

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