ZUM TAGE

Die neuen Bad Boys?

von Redaktion

DHB-Team vor Reifeprüfung

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat in der Vorbereitung auf die Europameisterschaft zweimal gegen Kroatien gewonnen. An dieser Stelle sei das explizit erwähnt, denn es ging gegen jenen Kontrahenten, der in diesem Jahrhundert der DHB-Auswahl am meisten wehgetan hat. Noch mehr als die derzeitigen Top-Nationen Dänemark und Frankreich. Angefangen mit Finalniederlagen bei der WM 2003 und Olympia 2004, aufgehört beim Hauptrunden-24:30, dem Stimmungskiller bei der Heim-EM 2024. Der einstige Angstgegner hat jetzt mindestens Respekt vor dem deutschen Abwehrbollwerk – und die Weltspitze dieser Sportart, versammelt in Europa, hat es mitbekommen.

Sind das die Bad Boys 2.0? Nachfolger jenes Außenseiter-Teams, das 2016 bei der EM den letzten großen Titel für Deutschland holte – dank seiner Abwehrkraft? Gut möglich, würden nicht nur Schlussmann Andreas Wolff, Jannik Kohlbacher und Rune Dahmke sagen, die letzten Europameister im Kader, allesamt top im Torverhindern.

Nun ja, die Abwehr gilt wieder als Prunkstück im Team von Alfred Gislason. Und ja: Der isländische Trainer-Fuchs kann erstmals seit Menschengedenken aus einem verletzungsfreien Kader schöpfen, den bisherigen Schlüsselspielern Juri Knorr, Julian Köster und Johannes Golla mehr Pausen geben. Oder überhaupt mal eine. Talente wie Marko Grgic und Nils Lichtlein sind bereit für die nächsten Schritte.

Reine Defensivspezialisten wie Tom Kiesler und Matthes Langhoff aufzubieten, birgt jedoch auch eine Gefahr. Es verlangsamt den Gegenschlag. Im modernen Handball sind der erweiterte Gegenstoß oder – nach Gegentreffer – der schnelle Anwurf wichtig. So dominierten die Dänen bei Olympia und WM auch, weil sie Künstler des schnellen Tores sind. Personal für mehr Tempo hat Gislason. Die Umsetzung der Taktik von Spielern und Trainer könnte entscheiden, ob die Bad Boys 2.0 ihre Reifeprüfung bestehen.

Wie auch immer die bestenfalls acht Spiele in nur 18 Tagen bei zweifelsohne schwerer Auslosung gemeistert werden: Der Wechsel von Wehklagen zu Wohlgefallen rund um das deutsche Handball-Team tut gut im Land der Dichter und Denker, Skeptiker und Spötter.

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