Sapporo – Karl Geiger liebt die „leckere Nudelsuppe“ in Japan, auch die „Kultur der Fröhlichkeit“ in Fernost hat es dem Bayern angetan. Eine Genussreise wird die Ochsentour nach Sapporo für das Sorgenkind des deutschen Skispringens deswegen aber nicht. Ganz im Gegenteil: 8868 Kilometer von Oberstdorf entfernt bietet sich Geiger am Wochenende die letzte Chance, doch noch das Ticket für Olympia zu lösen.
Vor einem Jahr hatte der Familienvater noch auf die strapaziöse Tour verzichtet, jetzt hatte er keine Wahl. Denn als einziger Springer des deutschen Stamm-Quintetts hat er die Norm (einmal Top acht oder zweimal Top 15) noch nicht erfüllt. In Sapporo stehen die Chancen etwas besser, weil der eine oder andere Topspringer eine Pause einlegt. Doch die Zahlen sprechen klar gegen Geiger: Ganze zwölf Weltcup-Punkte hat er in diesem Winter geholt, Platz 23 ist sein bestes Ergebnis.
Doch es muss schon ein kleines Wunder her. Felix Hoffmann, Philipp Raimund, Pius Paschke und Andreas Wellinger haben die Norm schon erfüllt, der Qualifikationszeitraum endet am Sonntagabend. Aller Voraussicht nach wird Stefan Horngacher anders als in der Vergangenheit nur vier DSV-Adler nominieren – auch, weil das traditionsreiche Teamspringen mit vier Startern pro Nation durch ein Super Team mit zwei Springern ersetzt wird. Falls sich doch jemand verletzt, wäre ein Ersatzmann in wenigen Stunden vor Ort.
Es droht die Zuschauerrolle. Wenn sich der Knoten nicht doch noch löst. In Sapporo wäre dafür die allerbeste Gelegenheit.SID