KOMMENTAR

Toppmöller in der Pflicht

von Redaktion

Es gibt Momente und Phasen im Fußballsport, die nicht leicht erklärbar und schwer wegzustecken sind. Für Eintracht Frankfurt gilt das in dieser so dämmerigen und diffusen Saison ganz sicher. Das Halbjahr im Zeitraffer: Die Himmelsstürmer – weg. Der Nachfolger, Jonny Burkardt, startet schwergängig, dann wird’s furios, jetzt schon lange verletzt. Erwartungsgemäß.

Die Champions League, wow, tolle Gegner – mit den zu befürchtenden Ergebnissen, Prügel, oft genug. In der Liga läuft’s nur zu Beginn, dann stockt’s. Siege, die sich wie Niederlagen anfühlen. Spielerisch plötzlich hausbacken und fantasielos. Kämpferisch seltsam schlapp. Selbstvertrauen schwindet. Und jetzt: Nackenschläge en masse, Murmeltore, späte Gegentore, verlorene Punkte.

Hinzu kommt: Verletzte ohne Ende, jetzt sogar der Hoffnungsträger aus der eigenen Stadt. Und das latente Gefühl, die gesamte Saison bisher quasi ohne Torwart bestritten zu haben. Es ist wie verhext. Und über allem schwebt diese völlig absurde Flut an Gegentoren, 36 in 17 Spielen. Das sind die Zahlen eines Abstiegskandidaten.

Kurzum: Es ist eine verdammt schwierige Saison, die die Eintracht erlebt. Und die der Cheftrainer Dino Toppmöller irgendwie retten muss. Der 45-Jährige ist mehr denn je gefordert, er muss der Mannschaft zu einer defensiven Stabilität verhelfen, Struktur reinbringen. Er muss ein paar Niko-Kovac-Vibes implementieren. Das ist gar nicht so schwer, im Fußball die einfachste Disziplin. Er muss die Schießbude schließen. Das ist die ureigene Verantwortung des Trainers, das ist sein Auftrag.

Es könnte ungemütlich werden

Ansonsten wird die Eintracht ihre Ziele verfehlen – und es wird ungemütlich für den Fußballlehrer, dem intern zugutegehalten wird, einige der oben beschriebenen Widrigkeiten gar nicht verantwortet zu haben. Das ist absolut richtig. Für vieles kann er einfach nichts. Extern, bei Fans und Sympathisanten, hat er dennoch wenig Kredit. Toppmöller ist anzurechnen, dass er nie gejammert oder nach Entschuldigungen gesucht hat. Er trägt den Kurs des Klubs vollumfänglich, was gar nicht so leicht ist, wenn Jahr für Jahr die besten Spieler verkauft werden. Doch nun sollte er seine Mannschaft mit einfachen Mitteln und ohne taktische Wunderkniffe auf Kurs bringen müssen. Sonst droht Ungemach. Schon am Freitag im Bremer Hexenkessel.

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