Essen/München – Dreieinhalb Jahre sind ein langer Zeitraum – zumindest wenn es um einen Funktionärs-Posten beim TSV 1860 geht. Einen Monat länger sogar war Marc-Nicolai Pfeifer von Juli 2020 bis Februar 2024 Finanz-Geschäftsführer bei den Löwen, ehe es nicht ohne Zwischentöne auseinanderging. Seit Sommer 2024 ist Pfeifer der starke Mann bei Rot-Weiss Essen. Mit RWE kehrt der Vorstandsvorsitzende am Samstag (14 Uhr/MagentaSport) ins Grünwalder Stadion zurück – und hat sich im Vorfeld viel Zeit für unsere Zeitung genommen.
Herr Pfeifer, mit welchen alten Weggefährten haben Sie sich am Wochenende in München alles verabredet?
Ich reise bereits einen Tag früher an, da sich mit meiner Rückkehr nach München zahlreiche relevante Gespräche und Begegnungen ergeben. Unter anderem hat mich die Bayerische, der Hauptsponsor der Löwen, eingeladen – darauf freue ich mich sehr. Mit einigen Partnern und Wegbegleitern sind während meiner Zeit bei 1860 auch persönliche Verbindungen entstanden.
Knapp zwei Jahre liegt Ihr Abschied aus München zurück…
Es ist ein besonderes Spiel. Meine Zeit bei 1860 München war sehr prägend und lehrreich – mit Erfolgen und deutlich mehr Höhen als Tiefen. Ich habe hier viel mitgenommen und zu vielen Menschen eine enge Verbindung aufgebaut.
RWE kommt mit Rückenwind nach Giesing, geht aufgrund der Verletzungsproblematik bei 1860 als Favorit ins Spiel. Welche Erwartungen haben Sie vor dem Samstag?
Unabhängig von einzelnen Ausfällen verfügt 1860 München über eine überdurchschnittlich hohe Qualität und einen sehr, sehr guten Kader für die 3. Liga. Präsident Gernot Mang hat mehrfach betont, dass der Verein perspektivisch in die 2. Liga möchte – und dieser Anspruch spiegelt sich auch im Kader wider.
Sie beobachteten die Löwen in Belek zuletzt beim 4:1 gegen Winterthur. Welche Erkenntnisse konnten Sie sammeln?
Man sieht, dass es zwischen der Mannschaft und dem neuen Trainer gut passt. Markus Kauczinski hat die Stärken des Teams klar erkannt. Trotz einiger Ausfälle haben die Löwen in Belek ein sehr überzeugendes Vorbereitungsspiel gezeigt.
Sowohl RWE als auch 1860 sind emotionale Traditionsvereine. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen den Clubs?
Bei beiden Vereinen leiten sich die Ziele der Zukunft stark aus den Erfolgen der Vergangenheit ab. Die Fans haben jeweils eine ganz besondere Verbindung zu ihrem Club – und beide Vereine sind privilegiert, auf eine so große, leidenschaftliche und unermüdliche Unterstützung bauen zu können. In Essen profitieren wir zudem von einer klaren Struktur – und vor allem haben wir keinen Gegner im eigenen Haus. 1860 ist ein großartiger Verein, aber dort sind nicht Essen, Rostock oder Verl die größten Gegner. Der größte Gegner von Sechzig ist manchmal Sechzig selbst.
Sie haben die Stuttgarter Kickers, 1860 und jetzt RW Essen kennengelernt. Worauf kommt es in der Führung solcher namhaften Clubs an?
Es braucht eine klare Vision, die in Wechselwirkung mit realistischen Zielen steht. Kommunikation ist dabei entscheidend – nach innen wie nach außen. Authentizität spielt eine große Rolle: Man muss Emotionalität zulassen, ohne zu überdrehen.
Wie haben Sie die Freistellung von Sportchef Christian Werner erlebt?
Christian Werner habe ich als sehr fleißigen und akribischen Fußball-Fachmann kennengelernt. Seine Arbeit wurde in kurzer Zeit zunächst sehr hoch bewertet und dann ebenso schnell kritisch gesehen – das war von außen nicht immer nachvollziehbar. Er ist aus meiner Sicht zwischen politische Mühlen geraten.
Blicken wir auf den Samstag: Was für ein Spiel erwarten Sie, wie will Essen die Löwen knacken?
Unser Cheftrainer wäre nicht erfreut, wenn die Taktik vor dem Spiel in der Zeitung steht (lacht). Aber klar: Wir werden mit maximaler Intensität und voller Überzeugung in die Rückrunde starten und uns dabei auf unsere eigenen Stärken konzentrieren.
INTERVIEW: MARCO BLANCO UCLES