München – In ein paar Wochen reist Wolfgang Maier zu seinen neunten Olympischen Spielen. Richtige Vorfreude will beim deutschen Alpin-Boss aber nicht aufkommen – obwohl das Winter-Großevent nach Sotschi, Pyeongchang und Peking wieder im Herzen Europas stattfindet. „Für mich sind das Spiele zweiter Klasse“, sagt Maier bei der Einkleidung des Deutschen Olympischen Sportbunds. Warum? Wegen der Weitläufigkeit und Zersplitterung.
Als Vergleich zieht er die Sommer-Ausgabe 2024 in Paris heran. Alle Athleten bewegten sich kompakt in einer Stadt, olympisches Dorf inklusive. In Italien hingegen verteilen sich die Sportarten auf die fünf „Cluster“ Mailand, Cortina d‘Ampezzo, Valtellina (Bormio), Val di Fiemme und Verona – die teilweise viele Fahrstunden auseinanderliegen. „Wenn man sich den olympischen Spirit vor Augen hält und wenn man Paris gesehen hat, dann macht man jetzt in Italien genau das Gegenteil“, so Maier.
Besonders hart trifft es seine Hauptdisziplin Ski Alpin. Cortina, WM-Ort von 2021, hätte alle Rahmenbedingungen. Dennoch dürfen dort nur die Frauen fahren, die Männer um das Münchner Slalom-Ass Linus Straßer müssen in Bormio ran. Entfernung: Fünfeinhalb Autostunden.„Ich hab’ ein olympisches Dorf, da krieg‘ ich pro Athleten 0,5 Betreuer rein. Das heißt, eigentlich müssen die meisten außerhalb wohnen“, erklärt Maier. Und weiter: „Die Damen fahren in Cortina, die Männer sind in Bormio. Da frage ich ganz objektiv: „Wo ist da der Spirit?“
Maier möchte das alles niemandem vorwerfen, sein Hauptfokus liegt ohnehin auf dem Sport und den anvisierten zwei Ski-Medaillen, aber der meinungsstarke Berchtesgadener hält mit seinen Ansichten nicht zurück, wenn man ihn danach fragt.
Auch der Eröffnungsfeier – das Feuer wird in Mailand und Cortina entzündet – kann der Alpin-Chef wenig abgewinnen. „Ich habe das Konzept gesehen und man hat mir erklärt, dass man aus allen verschiedenen Regionen für den Fernsehzuschauer Bilder zusammenschneiden will, dass es so aussieht, als wären zigtausend Leute da“, so Maier. „Wenn Sie das cool finden, ist das für mich okay. Ich persönlich, finde es nicht gut.“ MATHIAS MÜLLER