Ein Techniker, der auch ins Tor trifft: Yan Diomande darf von den großen Clubs träumen. © Hendrik Schmidt
Leipzig – Said El Mala wäre es beinahe gelungen. Als der Shootingstar des 1. FC Köln am Mittwochabend in der zweiten Minute auf Bayern-Keeper Manuel Neuer zukam, hatte er die frühe Führung für die Hausherren auf dem Fuß. Er vergab, aber weil es im Fußball weiter, immer weiter geht, spricht heute niemand mehr darüber. Vielmehr steht ab sofort ein anderer im Schaufenster: Gestatten, Yan Diomande. 19 Jahre jung, beim nächsten Gegner RB Leipzig unter Vertrag – und wie El Mala unter genauer Beobachtung des Branchenprimus aus München.
Beim 0:6 zum Saisonstart kam der Flügelspieler zur Halbzeit in der Hoffnung, Schadensbegrenzung zu leisten. Ein knappes halbes Jahr später ist er Zugpferd des Leipziger Aufschwungs. Sein Marktwert ist kometenhaft nach oben geschossen, um 3000 Prozent steigerte er sich im Laufe der Hinrunde von 1.5 Millionen Euro auf nun 45 Millionen Euro. Und es ist nicht ohne Grund aus der Bayern-Führung um Sportvorstand Max Eberl zu hören, dass Diomande als optimale Verstärkung auf der linken Außenbahn gilt. Bei sieben Treffern und vier Assists steht der Nationalspieler der Elfenbeinküste, für den Mission im Topspiel am Samstag klar ist: sich noch mehr ins Rampenlicht spielen. Dabei allerdings geht es ihm gar nicht unbedingt um die Bayern.
„Ich bin ein riesiger Liverpool-Fan. Der Traum meines Vaters ist es, mich an der Anfield Road spielen zu sehen“, sagte Diomande jüngst auf Tiktok und trat eine Lawine los. Da sprach ein Junge, der vor zwei Jahren noch am College in den USA spielte und über die Station CD Leganes in Spanien den Weg in die Bundesliga fand. Aber die Aussagen des begehrten Torjägers sind natürlich auch auf der Insel angekommen, wo neben Manchester United auch Liverpool genau hinschaut. Die Reds sind Diomandes Lieblingsverein, die Zusammenarbeit mit Jürgen Klopp bei RB Leipzig macht ihn daher besonders stolz. Schon während seiner Zeit in Liverpool habe er den „Head of Global Soccer“ bewundert, sagt Diomande. Dass er einen Anruf von Klopp an seinem ersten Tag in Leipzig verpasst hat, tut ihm leid: „Aber danach hat es zum Glück geklappt.“
Die beiden sind im Austausch. Klopp hat das große Ganze im Blick, Diomande gehört da nicht nur dazu, sondern spielt freilich eine große (finanzielle) Rolle. Sein Vertrag bei RB läuft bis 2030, eine Ausstiegsklausel gibt es nicht. Längst aber hat Leipzig intern festgelegt, dass das Preisschild eines der Marke XXL sein wird. Ein Winterwechsel soll ausgeschlossen sein, für den Sommer ist von 100 Millionen Euro die Rede. Geht der kometenhafte Anstieg des Marktwertes in ähnlicher Geschwindigkeit weiter, dürften die sogar gerechtfertigt sein.
Die Bayern-Scouts schauen bis dahin genau hin. Und auch die Augen im Topspiel sind auf den Afrika-Cup-Rückkehrer Diomande gerichtet. Vielleicht kommt der RB-Dribbler vor dem Millionenpublikum zu einem besseren Abschluss als El Mala am Mittwoch. Die, die sie mal geärgert haben, holen die Bayern ja bekanntlich besonders gerne.H. RAIF, P. KESSLER