Markus Kauczinski setzt in der Not auf eigene Talente.
München – Dähne im Tor, die Dreierkette mit Verlaat, Dulic, Schifferl. Jacobsen und Althaus auf der Sechs, Pfeifer links, Schröter rechts – und vorne der Zehner Deniz hinter den Spitzen Haugen/Niederlechner. Liest sich nicht schlecht, diese Elf. Viele Gegner in der 3. Liga hätten Respekt vor so viel klangvollen Namen. Nicht nur Rot-Weiss Essen dürfte daher froh sein, dass am Samstag ein anderes Löwen-Team auf dem Rasen stehen wird.
Acht Ausfälle waren es beim Hinrundenfinale gegen Verl (0:2), noch mehr sind es zum Rückrundenstart gegen Essen. Das neue Jahr beginnt – und statt ihre Aufstiegschance zu berechnen, müssen die Löwen erst mal das Personal durchzählen. Motto: Wer nicht bei drei auf dem Baum ist, bekommt am Samstag um 14 Uhr ein 1860-Trikot übergestreift.
Das eingangs genannte Team beschäftigt derzeit weniger gegnerische Abwehrreihen als vielmehr Ärzte und Physios des Tabellenachten. Aus der Elf der Sorgenkinder wird maximal Raphael Schifferl am Samstag auflaufen, bei Thomas Dähne zerschlug sich diese Hoffnung. Die Nummer 1 ist noch grippegeschwächt, René Vollath rückt für ihn ins Tor. „Tommy hat bis heute eigentlich nur gelegen“, berichtete Trainer Markus Kauczinski – und schob schmunzelnd hinterher, dass ein Comeback in eigener Sache ausgeschlossen sei: „Nein, das ist nicht nötig – meine Fußballschuhe bleiben im Schrank.“
Die Ausfallliste ist historisch lang, aber nicht so lang, dass darunter der Optimismus des Trainers leidet. „Wir sind trotzdem in der Lage, eine gute Mannschaft zu stellen. Eine, die sich nicht groß von der unterscheidet, die zuletzt gespielt hat.“ Mindestens eine Position werde neu besetzt, womöglich komme es sogar zu einer Drittligapremiere (Dordan als Sechser?). Erfahrung, so Kauczinski, sei dennoch genug auf dem Platz – und sogar auf der Bank.
Um den Kader überhaupt vollzubekommen, griff der Coach erneut in den Nachwuchstopf. Neben den bereits bekannten Trainingslager-Gästen Noah Klose, Loris Husic und Damjan Dordan rückt nun auch U 21-Allrounder Finn Fuchs (19) nach – als Ersatz für Morris Schröter, der zwar wieder fit ist, aber im Kopf noch nicht bereit. „Finn ist kurzfristig reingerutscht“, berichtet Kauczinski, „ganz einfach, weil wir ihn brauchen“.
Dass er mit solchen Situationen umgehen kann, belegt Kauczinski mit einer Anekdote aus früheren Tagen. „Ich habe das schon mal erlebt. Mit Wiesbaden saßen wir gegen Mannheim mal mit 14 oder 15 Spielern da – ich habe den Kader nicht mal aufgefüllt. Man konnte ja nicht öfter wechseln.“ Der Endstand damals? 3:0.
Die Löwen hätten nichts dagegen, wenn sich die Geschichte wiederholt.ULI KELLNER