Ruhpolding – David Zobel wirkt befreit wie schon lange nicht mehr – befreit von den Strapazen aus dem vergangenen Jahr. Er startete im Weltcup-Team, wurde schnell degradiert, kurz vor der WM kehrte er zurück in die A-Mannschaft, doch das Saison-Highlight verpasste der in Murnau aufgewachsene Zobel. Auf der Rückfahrt vom Saisonauftakt damals war er „mental komplett am Boden und so nah dran, alles hinzuschmeißen, wie nie zuvor“, sagte er im Sommer.
Jetzt, kurz vor den Olympischen Spielen, gibt sich der 29-Jährige selbstbewusst. Kein Wunder: Nach einem Trainingslager kurz nach Weihnachten mit dem schwedischen Star Martin Ponsiluoma fühlt er sich läuferisch richtig fit. Das zeigte Zobel erst in Oberhof, als er mit Platz zwölf im Sprint die halbe Olympia-Norm knackte, und nun in Ruhpolding, als er Schlussläufer Philipp Nawrath in eine top Ausgangslage brachte – und am Ende Platz drei mit der Staffel feiern konnte. „Es hat so gescheppert auf der Schlussrunde“, sagte ein komplett erschöpfter, aber sehr glücklicher Zobel und erzählte erlöst eine Anekdote vom Vormittag: „Da sitzt man am Frühstückstisch mit Danilo und sagt, so jung sind wir eigentlich nicht mehr, aber aufgeregt ist man trotzdem.“
Aufgeregt ist er mit Sicherheit auch am heutigen Samstag, wenn um 14.30 Uhr (ZDF und Eurosport) der Sprint in Ruhpolding steigt. „Liegend habe ich meine Aspekte, wo ich aufpassen muss. Stehend weiß ich, ich muss extrem aufs Nachhalten achten. Und wenn ich diese Teilaspekte gut schaffe, dann habe ich die Teilnorm“, sagt er selbstbewusst. Einmal muss es Zobel noch unter die besten 15 schaffen, dann hätte er auch offiziell die interne Vorgabe des DSV erreicht.
Sportdirektor Felix Bitterling hätte ihn auf jeden Fall gerne dabei in Antholz. „David ist einer, der ist für jede Mannschaft gut, weil er einfach ein positiver Kerl ist, weil er lustig ist, weil er Witze macht. Ich habe noch keine Mannschaft gesehen, wo das nicht positiv wahrgenommen wurde.“ Zobel hört diese Worte „natürlich gerne“. Vor allem nachdem er zu Jahresbeginn nicht für die A-Mannschaft nominiert wurde. Seine Freundin sah es nüchtern und gab den banalen Tipp: „Dann arbeite dich doch von unten nach oben, nicht so wie letztes Jahr.“ Gesagt, getan!ALEXANDER VORMSTEIN