Kompromissloser Verteidiger: Gabriel (l.). © IMAGO/Gamel
München – Wenyen Gabriel grinste breit als er nach getaner Arbeit im lässigen, strahlend weißen Outfit durch die Katakomben des SAP Garden schlappte. Klar, dieses 85:78 über Panathinaikos Athen schmeckte dem Center des FC Bayern Basketball doppelt süß, hatte man ihm beim Gegner doch im vergangenen Jahr nach nur gut einer halben Saison wieder weggeschickt.
Und jetzt? Hat der Mann aus dem Südsudan das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden. Bayerns Trainer-Rückkehrer Svetislav Pesic hat sich mit Gabriel schnell angefreundet. Was auch daran liegt, dass der 27-Jährige ein vielseitiger Center ist. Der für spektakuläre Punkte, aber auch für knallharte Defensivaktionen gut ist. „Das ist mein Spiel“, sagte Gabriel.
Und das steht dann doch ziemlich beispielhaft für die bemerkenswerten Veränderungen, die Pesic in den knapp vier Wochen seit seinem Amtsantritt bewirkte. Der Lehrmeister aus Pirot hat den Bayern erst einmal kompromisslose Defensive verordnet. Und je sattelfester die Mannschaft in diesen Tagen wurde, umso mehr wuchs auch das Selbstvertrauen. Was auch Ex-Champion Panathinaikos – bis dahin eines von drei Teams, das im Garden noch nicht verloren hatte – im Schlussviertel zu spüren bekam.
Es tut dabei offenbar sein Übriges, dass Pesic unvermindert aufs Gaspedal drückt. „Er verlangt viel von uns“, erzählt Gabriel. Zufriedenheit? Verboten. So wie am Sonntag, als sich die Bayern gegen Bonn in letzter Minute zu einem 66:63 retteten. „Der Trainer ist damit umgegangen, als hätten wir verloren“, sagte Gabriel, „das hilft sehr, besser zu werden.“
Der 2,03-Meter-Mann, dessen Familie einst aus dem Südsudan vor dem Bürgerkrieg via Kairo in die USA flüchtete, arbeitet besonders hart daran. Pesic ist das nicht entgangen, was er in der typischen Svetislav-Pesic-Manier erklärte. „Gabriel ist nicht Nikola Jokic. Aber Nikola Jokic ist auch nicht Gabriel“,sagte er, „er trainiert sehr gut, ich bin zufrieden mit ihm.“
Kommende Woche dürfen die Bayern ja nun gleich zweimal in der Euroleague im heimischen Garden ran. Am Dienstag gegen Partizan Belgrad, am Donnerstag (beide 20.30 Uhr) gegen den BC Valencia. Klappt es vielleicht sogar mit zwei Siegen, dann könnte das Rennen um die Play-In-Plätze ganz plötzlich wieder zur realistischen Option werden. „Wir machen das schon nicht ohne Grund“, sagte Gabriel, „ich hoffe sehr, dass wir es noch in die Playoffs schaffen.“
Was allerdings auch von der Weiterentwicklung im Falle von Stefan Jovic und Nenad Dimitijevic abhängen könnte. Die beiden Spielmacher knallten beide in der Endphase der Partie gegen Panathinaikos auf den Kopf und wurden benommen vom Feld geführt. Gabriel beobachtete es schockiert: „Ich bete, dass es beiden schnell wieder gut geht“RP