Der Schock: Augsburg kassiert das 1:1. © dpa/Harry Langer
Augsburg – Der FC Augsburg führte seit kurz vor der Halbzeitpause. In der 89. Minute dann wurde vom Gegner, von Union Berlin, Abwehrspieler Derrick Köhn wegen seines Kung-Fu-Tritts auf die Schulter von FCA-Angreifer Essende vom Platz gestellt. Überzahl für Augsburg – und somit alles klar? Nein, die dezimierten Unioner kamen in der Nachspielzeit zum Ausgleich. 1:1 also, die Schwaben hatten im Abstiegskampf, den sie nicht mehr leugnen können, zwei Punkte liegen lassen. Was überwog? Der Frust über die verpasste Chance – oder die Zufriedenheit angesichts einer über 90 Minuten gezeigten Stabilität?
Erstmals in der Startelf stand Michael Gregoritsch, der österreichische Rückkehrer nach dreieinhalb Jahren. Er meinte, diejenigen, die schon länger mit der Augsburger Saison befasst sind, seien „negativ gestrickt“. Der 31-Jährige kehrte das Positive heraus, die Steigerung gegenüber der Niederlage in Mönchengladbach: „Vor vier Tagen haben wir 4:0 aufs Maul gekriegt, doch diesmal die Basics auf den Platz gebracht.“ Und noch etwas Positives: das Tor des Franzosen Alexis Claude-Maurice. Gregoritsch: „Das war magisch.“
Der Mittelfeldspieler, mit Abstand bester Ballbehandler beim FC Augsburg und vorige Saison mit neun Treffern der offensiv gefährlichste Mann, hatte bis zum letzten Drücker der Hinrunde warten müssen, um seinen Schuss wirkungsvoll anzubringen. „Ich hatte Raum und Zeit“, sagte er. In den offiziellen Daten der Bundesliga ist festgehalten: Entfernung 27,03 Meter; Geschwindigkeit 93,77 km/h; Torwahrscheinlichkeit 2 Prozent. In den ersten Saisonwochen war er verletzt ausgefallen, „jetzt spüre ich wieder Selbstvertrauen“, sagt er. Unter Manuel Baum als Trainer fühle er sich freier als unter dessen Vorgänger Sandro Wagner.
Baum merkte kritisch an: „Durch unsere Umschalter hätten wir das 2:0 machen müssen.“ Vor dem 1:1 fiel ihm auf, „dass wir drei, vier Zweikämpfe verloren haben“. Das darf am Sonntag (17.30 Uhr) bei der nächsten Heimchance gegen Freiburg nicht wieder passieren. Eine Stunde nach dem Union-Stimmungsdämpfer sagte Baum aber: „Ich fühle mich jetzt schon wieder voller Tatendrang.“GÜNTER KLEIN