Ins Abseits geraten: Karim Adeyemi (li.). © Thissen/dpa
Dortmund – Karim Adeyemi ist schnell, sehr schnell. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 36,65 Stundenkilometern ist der Nationalspieler in die Top Fünf der Bundesliga gesprintet – eine Qualität, die sein Club Borussia Dortmund zu schätzen weiß. Doch zuletzt sorgte sein Tempo nach dem Schlusspfiff für Wirbel: Der Flügelflitzer verließ weit vor allen Mitspielern das Stadion.
Nach dem 3:0 gegen Werder Bremen hatte es Adeyemi offenbar sehr eilig, wieder hatte ihn Trainer Niko Kovac erst kurz vor Schluss eingewechselt. Der beste Dortmunder Offensivspieler vor der Winterpause ist nur noch Edeljoker – fünf Monate vor der WM Anlass zu großem Frust.
„Karim ist vom lieben Gott geküsst worden“, schwärmte Kovac noch Ende November nach dem 2:1-Sieg in Leverkusen, „er hat so eine Geschwindigkeit, so eine Wucht.“ Da war der 23-Jährige nach starken Leistungen noch einer der Leistungsträger, nicht nur wegen seiner Ausbeute von sechs Toren und drei Vorlagen, sondern auch wegen seiner Sprints, die immer wieder für Torgefahr oder Räume für seine Mitspieler sorgen.
Das Bild vom Hallodri, der zum reiferen Profi geworden war, hatte aber schon deutliche Risse bekommen – nicht zuletzt durch die „Mystery Box“ aus dem Internet mit illegalen Waffen und die bekannt gewordene saftige Geldstrafe. Es folgte der erneut verweigerte Handschlag kurz vor der Winterpause, als er nach seiner Auswechslung schnurstraks in die Kabine verschwinden wollte.
Der BVB ließ ihn im Trainingslager in Marbella zum Rapport antreten und bat ihn zur Kasse. Adeyemi sei „von Haus aus ein sehr guter Junge“, betonte Kovac in Spanien, er habe „einen Fehler gemacht“, das werde er „wieder ändern“.
Beim Trainer hat Adeyemi, so scheint es, aktuell nicht die besten Karten. Beim 3:3 in Frankfurt durfte er 15 Minuten spielen, am Dienstag gegen Bremen sogar nur sechs. Ob er am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den FC St. Pauli erstmals im neuen Jahr in der Startelf stehen darf? Zuletzt bekam Maximilian Beier den Vorzug, dem Vernehmen nach aufgrund der besseren Trainingsleistungen. Pikant: Es geht um die Nationalmannschaft.
Für Adeyemi kommt der Platz auf der Bank nicht nur mit Blick auf die WM zur Unzeit. Es geht auch um seine Zukunft. Denn die Verhandlungen mit dem BVB über eine Verlängerung des 2027 auslaufenden Vertrags stocken angeblich, und die Interessenten für den aktuell wertvollsten BVB-Spieler (Marktwert laut transfermarkt.de 60 Millionen Euro) stehen offenbar auch nicht gerade Schlange. SID