ALLES steht auf dem Spiel

von Redaktion

DHB nach Serbien-Blackout gegen Spanien zum Siegen verdammt

Auch das noch: Siebenmeterschütze Zerbe vergibt kurz vor Schluss gegen Serbiens starken Schlussmann Milosavljev. © von Fehrn/Imago

Die Kirsche auf der Torte: Bundestrainer Gislason (re.) drückte den Auszeit-Buzzer während Knorr gerade den 26:26-Ausgleich erzielt hätte. © Screen/ARD

Fassungslose Nationalspieler: Die Pleite gegen Serbien hat bei Kiesler, Dahmke, Uscines, Köster, Häseler und Mertens Spuren hinterlassen. © Koffler/Imago

Herning – Der Serbien-Schock saß tief, vor allem sein folgenschwerer Buzzer-Blackout verfolgte Alfred Gislason bis tief in die Nacht. „Das geht auf meine Kappe“, sagte der Bundestrainer nach der bitteren 27:30 (17:13)-Pleite bei der EM. Im Gruppenfinale gegen Spanien droht am Montag (20.30 Uhr/ZDF) das Vorrunden-Aus – und dem deutschen Handball eine veritable Trainerdiskussion.

DHB-Star Juri Knorr ließ nach der desaströsen zweiten Halbzeit gegen Serbien inklusive des Auszeit-Aussetzers von Gislason jedenfalls mächtig Dampf ab. „Natürlich brodelt es in einem auf der Bank, wenn man da draußen sitzt und nicht helfen kann“, sagte Knorr, der nach einer bärenstarken ersten Hälfte im zweiten Abschnitt weitgehend auf der Bank schmorte. Den Fauxpas von Gislason, der beim Stand von 25:26 drei Minuten vor dem Ende Sekundenbruchteile zu früh auf den Buzzer gedrückt hatte, bezeichnete er als „Kirsche auf der Torte“. Der vermeintliche Ausgleichstreffer Knorrs wurde nach Ansicht der Videobilder aberkannt.

„Das war schon ein Schock für die Mannschaft. Der Fehler hat der Mannschaft mindestens einen Punkt gekostet“, räumte Gislason nach einer schlaflosen Nacht am Sonntag ein. Auf die öffentliche Kritik seines Mittelmanns reagierte der Isländer kurz angebunden. „Wir reden intern sehr viel“, sagte Gislason. Er habe aber „keine Ahnung“, was Knorr nach dem Spiel öffentlich in der Presse gesagt habe.

Fest steht: Gegen Spanien steht eine Menge auf dem Spiel. Vom historischen Vorrunden-Aus bei einer EM-Endrunde im aktuellen Modus bis zum Weiterkommen mit Maximalpunktzahl ist alles möglich. Deutschland hat wie Serbien 2:2 Punkte auf dem Konto. Spanien steht bei 4:0 Zählern. Nur die besten zwei Teams ziehen in die Hauptrunde ein.

„Wir müssen die Spanier mit drei Toren schlagen, was alles andere als einfach ist. Aber das müssen wir machen, wenn wir nicht rausfliegen wollen“, rechnete Gislason vor und und sprach von einer „maximal schweren Aufgabe“. Man müsse das „Olympia-Wunder wiederholen, wenn wir weiterkommen wollen“, ergänzte der 66-Jährige mit Blick auf den Silber-Coup bei den Sommerspielen 2024. „Mit sehr viel Herz, aber auch mit sehr viel Kopf.“ Die Devise ist klar: Verlieren verboten! Und gleichzeitig auf einen Ausrutscher der Serben gegen Österreich hoffen.

„Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und müssen einfach Energie schöpfen aus der Frustration, die jetzt da ist“, sagte Knorr. Man werde es aber „nicht schaffen, wenn Leute 60 Minuten durchspielen. Wir werden es nur schaffen, wenn jeder das Vertrauen hat, wenn jeder bereit ist und wenn das von uns aus der Mannschaft kommt“, sagte Knorr.

Es habe „die Führung von außen gefehlt“, monierte 2007-Weltmeister Pascal Hens im „Harzblut“-Talk von Dyn. Man habe im Angriff „keinen Plan B“. Michael Kraus, ein weiterer WM-Champion von vor 19 Jahren, wählte noch deutlichere Worte: „Alfred, scheiße gecoacht, vercoacht.“ Johannes Golla beschwichtigte die aufgebrachten Gemüter. Die Pleite sei „kein Weltuntergang“. Der Kapitän nahm zudem Gislason nach dessen Fehler in Schutz. Es sei „ärgerlich, er hat sich direkt entschuldigt“. Gegen Spanien, so viel ist sicher, darf sich Deutschland keine weiteren Fehler erlauben.SID

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