Knackpunkt in der Verfolgung: Zeitgleich verließen Selina Grotian (li.) und Franziska Preuß den Schießstand, beide mussten vor der Schlussrunde in die Strafrunde abbiegen. © Breu/Imago
Ruhpolding – Als sie ins Ziel kam, explodierte die Chiemgau Arena. Nein, nicht etwa bei Verfolgungssiegerin Lou Jeanmonnot, auch nicht bei Lokalmatadorin Franziska Preuß, ganz Ruhpolding fieberte mit Selina Grotian mit. Die Mittenwalderin hatte nach Platz 15 im Sprint am Freitag die gute Ausgangslage für den Verfolger genutzt und sicherte mit Rang 13 die zweite Hälfte der Olympia-Norm, die ihr zuvor sogar schlaflose Nächte bereitete. Dabei machte sie es vor knapp 23 000 Zuschauern beim letzten Schießen noch einmal spannend.
Bis dahin arbeitete sich die 21-Jährige bis Platz sechs vor, doch zwei Fehler verhinderten ein Top-Ergebnis. Während Grotian in der Strafrunde verweilte, zog Konkurrentin um Konkurrentin an ihr vorbei, das Zittern (wie schon nach dem Sprint) begann aufs Neue. Aber auf der Schlussrunde schob sich sogar noch auf Platz 13 vor.
Die Erleichterung stand ihr danach ins Gesicht geschrieben. „Ich habe gerade schon ein paar Freudentränen vergossen. Die letzten Wochen waren so schwierig“, sagt sie mit dem Olympia-Ticket in der Tasche. Am liebsten hätte sie die Norm schon in Oberhof abgehakt, denn Ruhpolding sei „nicht ganz so ihr Ort“. Die ganze Situation drückte ihr aufs Gemüt: „Ich hatte noch nie so viel Druck, ich konnte dann auch nicht mehr schlafen.“ Geholfen hat die Familie. „Die haben mich aufgebaut. Sie haben mir gesagt, was ich alles schon erreicht habe und was ich kann.“ Das habe gut getan. „Es ist eine Riesenlast, die wegfällt.“
Direkt neben ihr stand beim letzten Schießen auch Franziska Preuß, die immer mehr zu alter Stärke zurückfindet. Doch auch die Ruhpoldingerin musste eine Extrarunde drehen, das erhoffte Podium vor heimischem Publikum blieb ihr bei ihrem vielleicht letzten großen Auftritt in ihrem Wohnzimmer verwehrt. Ein Karriereende nach der olympischen Saison steht weiterhin im Raum. Am Ende reichte es für Preuß nach Platz fünf im Sprint zu Rang sieben in der Verfolgung.
„Es fehlt nicht viel“, sagt die 31-Jährige, die am Sonntag auch etwas mit ihrem Material haderte. „Das war definitiv auch ein Teilbereich, der nicht ausreichend war“, so Preuß. Am Schießstand (je ein Fehler liegend und stehend) fühlt sie sich im Vergleich zum Staffel-Tag deutlich besser. Nur der letzte Schuss sei „ärgerlich“ gewesen, ansonsten wäre sie hinter Jeanmonnot (1 Fehler) und Sprintsiegerin Hanna Öberg (3/+10,5 Sekunden) ums Podium gelaufen.
Mindestens das Stockerl war auch bei den Männern in Reichweite. Doch drei Fehler von Philipp Nawrath (+17,7 Sekunden) waren dann doch zu viel, es reichte schlussendlich zu Rang 10. Aussichtsreich gestartet ist auch David Zobel, der mit Platz neunten im Sprint am Samstag die Olympia-Norm erreichte. Der 29-Jährige (2 Fehler/+47,3) bestätigte seine starke Form und kam beim Sieg von Johannes Dale-Skjevdal (1) als 15. ins Ziel. Ein Ausrufezeichen setzte auch Danilo Riethmüller (2), der von Position 55 aus ganze 30 Plätze aufholte. Er ist auch ohne Norm der heißeste Kandidat für den Ersatzposten in Antholz.ALEXANDER VORMSTEIN