ZUM TAGE

Ordentlich Druck auf dem Kessel

von Redaktion

Deutschlands Handballer unter Schock

Eigentlich wähnten sich Deutschlands Handballer in ihrer Entwicklung weiter. Eigentlich hätten sie diese zweite Vorrundenpartie gegen Serbien (27:30) nicht verlieren müssen. Aber wie sagte Fußball-TV-Chefanalyst Lothar Matthäus einst: „Wäre, wäre, Fahrradkette.“

Und deswegen ist die Realität eine ganz bittere: Die DHB-Truppe steht bei der EM nach einer desaströsen zweiten Hälfte und einer kuriosen Auszeit mit dem Rücken zur Wand. Das gilt auch für Bundestrainer Alfred Gislason. Sein Vertrag ist bis nach der Heim-WM 2027 datiert. Eigentlich. Denn Verbandspräsident Andreas Michelmann hatte vor dem Turnier angekündigt: keine Leistung, keine Job-Garantie. Aus der Szene vernahm man Unverständnis für die harschen Worte. Am Samstag bekam der 66-jährige Isländer ordentlich Experten-Gegenwind, am heftigsten von Ex-Weltmeister Mimi Kraus („Alfred, scheiße gecoacht“).

Gemeint war die plötzliche Bank-Verbannung des – an diesem Tag – glänzend aufgelegten und danach ordentlich verstimmten Spielmachers Juri Knorr. Und die Auszeit, die Gislason nahm, ohne zu schauen, was auf dem Feld passiert – und damit Knorrs 26:26-Ausgleich verhinderte.

Die hochgelobte Kaderbreite war plötzlich das Problem. Nach Rückraum-Umstellungen ging Geschwindigkeit verloren. Es fehlte die ordnende Hand. Toptalent Grgic funktionierte nicht. Shooter Semper durfte trotz drei Treffern gar nicht mehr auf die Platte. Gislason hatte keine glückliche Hand. Überhaupt ist es seinem Team in den vergangenen sechs Jahren – trotz Olympiasilber 2024 – zu selten gelungen, dominant aufzutreten.

Dennoch sind gegen die sich im Umbruch befindenden Spanier jetzt auch die Spieler gefragt. Ein Sieg mit mehr als drei Toren? Gibt die individuelle Qualität theoretisch her. Wenn Gislason die Angst und Unsicherheit aus den Köpfen bekommt. Frei nach dem Philosophen Matthäus: „Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.“

Sollte man tatsächlich scheitern, wäre das ein heftiger Rückschlag im vom DHB selbst ausgerufenen deutschen Jahrzehnt des Handballs.

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