Retter Reinthaler

von Redaktion

Leidenschaftliche Rumpf-Löwen erkämpfen in der 90. Minute einen Punkt gegen Essen

Da ist er drin: Reinthaler (2. v. li.) drischt den Ball in die Maschen – der 1:1-Endstand. © Sampics

München – Der Jubel bei Marc-Nicolai Pfeifer kannte kein Halten mehr. Der ehemalige Löwen-Geschäftsführer und heutige Vorstandsvorsitzende von Rot-Weiss Essen feierte mit einer kleinen RWE-Delegation die späte Führung der Gäste im Grünwalder Stadion. Die 1860-Fans auf der Haupttribüne zogen lange Gesichter. Doch wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten. In der 90. Minute traf Max Reinthaler zum verdienten 1:1-Endstand. Die arg ersatzgeschwächten Löwen belohnten sich für einen leidenschaftlichen Kampf.

Elf (!) potenzielle Stammspieler – unter anderem Jesper Verlaat, Thore Jacobsen, Flo Niederlechner & Sigurd Haugen – der Sechzger konnten zum Rückrunden-Auftakt nur zusehen, wie ihre Kollegen gegen den Aufstiegsaspiranten aus dem Ruhrpott ihr Herz auf dem Platz ließen. Sinnbildlich dafür: Damjan Dordan. Der 23-jährige zentrale Mittelfeldspieler profitierte von zahlreichen Ausfällen auf seiner Position, sammelte seine ersten Profi-Minuten. Und machte seine Sache mehr als ordentlich. Stark im Zweikampf, gedankenschnell im Gegenpressing. Zu Recht lobte Kollege Kilian Jakob nach Abpfiff: „Damjan hat ein super Spiel gemacht auf der Sechs. Er hat noch keine Profiminute gespielt, wird da ins Spiel reingeworfen und macht’s super. Er hat gezeigt, was er kann.“

Nicht nur Dordan, auch seine Kollegen agierten äußerst aufmerksam und ließen Essen nicht zur Entfaltung kommen – bis auf einen Schreckmoment. Nach einem kapitalen Aussetzer von Siemen Voet ergab sich für RWE die große Chance zur Führung, doch Gianluca Swajkowski scheiterte an Dähne-Vertreter René Vollath. Ansonsten bestimmte 1860 im ersten Durchgang das Geschehen. Das Problem: Zahlreiche vielversprechende Angriffe – meistens eingeleitet durch Kevin Volland – landeten in Essener Abwehrbeinen, zu ungenau gerieten die Abspiele von Clemens Lippmann (der laut Transfer-Experte Florian Plettenberg heftig von Zweitligist Magdeburg umworben wird) & Co. Erschreckend fiel bei einigen Kontern auf, wie sehr die Löwen von den Tempoläufen eines Sigurd Haugen abhängig sind. Der Angreifer arbeitet nach seinem Kieferbruch am Comeback, wurde am Sonntag auf dem Laufband am Trainingsgelände gesichtet.

Bevor die heiße Schlussphase in Giesing anbrach, wurden die bibbernden Fans auf der Tribüne nicht gerade mit Chancen verwöhnt. Patrick Hobsch war mit seinem Kopfball nach Volland-Flanke noch am ehesten dran, die Löwen in Führung zu bringen, doch RWE-Keeper Jakob Golz war zur Stelle (70.). Dann der Schock: Den Schuss von Marvin Obuz fälschte Marek Janssen unhaltbar für Vollath ab, die schmeichelhafte Führung für die Gäste (82.). Auf der Haupttribüne kam es in der Folge zu Becherwürfen und Rangeleien zwischen Fans beider Vereine. Der Sicherheitsdienst schritt ein, mehrere Zuschauer wurden aus dem Stadion geführt.

Sie verpassten die Szene, die das Grünwalder Stadion erbeben ließ. Ecke Volland – und aus kurzer Distanz drosch Reinthaler den Ball in die Maschen, der 1:1-Endstand. „Wir haben gezeigt, dass wir trotz der Personallage konkurrenzfähig sind“, freute sich 1860-Coach Markus Kauczinski über den Punktgewinn. Sein Gegenüber Uwe Koschinat haderte: „Wir wähnten uns bereits sicher zu Hause.“ Doch dann kam Reinthaler und vermieste RWE die Bus-Party.MARCO BLANCO UCLES

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