Wer dieses Finale verpasst hat, darf sich ärgern: Der 1:0-Erfolg Senegals im Endspiel des Afrika-Cups am Sonntagabend war ein skandalöses Schauspiel, an das man sich noch lange erinnern wird. Zwei vermeintliche Fehlentscheidungen des Schiedsrichters kurz vor Ende der regulären Spielzeit führten dazu, dass die senegalesische Mannschaft – dem Vernehmen nach sogar auf Geheiß ihres Trainers Pape Thiaw – das Feld verließ und für knapp zehn Minuten in der Kabine verschwand.
Erst Sadio Mané konnte sein Team umstimmen. Nachdem der Senegal aufs Feld zurückkehrte, gab es den angedrohten Elfmeter für Marokko – und Brahim Diaz lupfte in die Mitte und vergab. Doch auch darüber hinaus war dieses Endspiel aufsehenerregend: Nach Abpfiff kursierten Videos, in denen marokkanische Spieler versuchten, das Handtuch von Senegals Torwart Edouard Mendy zu klauen, damit dieser sich im strömenden Regen nicht die Torwarthandschuhe abtrocknen kann. In der Folge lieferten sie sich regelrechte Prügeleien mit Senegals zweitem Torwart, der auf das Handtuch aufpassen sollte. Nun sind diese Szenen kurios, skandalös und für den neutralen Fan recht unterhaltsam – traurigerweise überdecken sie aber eine eigentlich schöne Entwicklung. Das fußballerische Niveau war bei diesem Afrika-Cup nämlich ebenfalls spektakulär und hätte eigentlich im Fokus stehen sollen. Marokko mit dem aktuell besten Rechtsverteidiger der Welt, Achraf Hakimi, steigt immer mehr zur großen Fußballnation auf. In Ägypten sucht Mohamed Salah einen würdigen Nachfolger. Und die Elfenbeinküste zeigt, dass sie bei der WM im Sommer auch Deutschland vor Probleme stellen kann.
Dazu kam die gespaltene Öffentlichkeit Marokkos, die einerseits ihre Mannschaft bejubelte, andererseits gegen die Austragung des Afrika-Cups und der WM 2030 demonstriert – in der Sorge, dass dringend benötigte Investitionen nur in neue Stadien fließen. Über all diese spannenden Phänomene hätte berichtet werden können. Leider sind es nach diesem Finale vor allem Skandale, die für Schlagzeilen sorgen.