Drei neue Löwen-Leader

von Redaktion

Reinthaler, Maier, Hobsch – Drei ehemalige Bankdrücker geben jetzt den Ton an

Mittendrin statt nur dabei: Reinthaler klärt einen Ball – Sechser Maier und Torjäger Hobsch lauern. © IMAGO / Eibner

München – Was für eine Schlussphase! Der Löwen-Frust sitzt tief, zuvor ist Essen in Führung gegangen. Dann fliegt eine Volland-Ecke in den Strafraum – und Max Reinthaler (30) hämmert die Kugel ins Netz. Später Ausgleich, 1:1 gegen den Mitkonkurrenten. Ein Willenstor. Reinthaler war schon zuvor der überragende Mann auf dem Platz. Einer, der vorangeht.

In Zeiten großer Personalsorgen bildet sich beim TSV 1860 eine neue Führungsachse heraus. Nicht die geplante aus dem Sommer: Verlaat, Jacobsen, Niederlechner. Sondern eine aus ehemaligen Bankdrückern: Reinthaler hinten, Philipp Maier davor, Patrick Hobsch vorne.

Max Reinthaler – ein moderner Libero

Reinthaler kam im Herbst aus einer Verletzung – und musste sofort liefern. Als Kapitän und Abwehrchef Jesper Verlaat ausfiel, war der Südtiroler zur Stelle. Kaltstart – und die logische Fortsetzung einer Geschichte, die in Wiesbaden begonnen hatte. Markus Kauczinski wusste aus der gemeinsamen Zeit, was er bekommt: Reinthaler ordnet, dirigiert, coacht. Ein moderner Libero, der am Samstag sehenswerte Franz-Beckenbauer-Pässe in die Spitze spielte. Abwehrchef, Antreiber – und Torschütze. Zwei Jahre ist Reinthaler jetzt bei 1860, doch noch nie war er wertvoller.

Philipp Maier – vom Abstellgleis zurück

Bei Philipp Maier war es keine Verletzung, die ihn aus dem Spiel genommen hatte. Es war eine sportliche Entscheidung. Ex-Trainer Patrick Glöckner wusste mit dem rustikalen Sechser wenig anzufangen – der Abräumer, von Ex-Sportchef Christian Werner vor einem Jahr aus Ulm geholt, verschwand schnell aus dem Fokus. Jetzt ist Maier wieder da – und wie! Lauf- und zweikampfstark, mannschaftsdienlich, kompromisslos. Keiner schließt Lücken lustvoller. „Fußball ist Teamsport“, sagte Maier in Belek: „Ich bin nicht fürs Toreschießen geholt worden.“ Er konzentriert sich auf das, was er kann – mit Gefühl für den Raum, Biss und Führungsstärke durch Leistung.

Patrick Hobsch – plötzlich sogar Kapitän

Und ganz vorne führt jetzt Patrick Hobsch. Als alleinige Spitze. Nach Haugens Kieferbruch passte Kauczinski das System an: aus dem 3-4-1-2 wurde ein 3-4-2-1. David Philipp und Kevin Volland sollen Hobschs Torriecher zur Geltung bringen. Die beste Chance gegen Essen ließ er liegen: Kopfball nach Volland-Freistoß. Doch er machte viele Bälle fest und ackerte vorbildlich. Den Ritterschlag gab es schon vor dem Anpfiff: Nicht Ex-Nationalspieler Volland führte das Team aufs Feld, sondern Hobsch. Der hatte die Kapitänsbinde zuvor nur im Totopokal getragen – als Anführer der B-Löwen gegen Reichmannsdorf und Geiselbullach.

Am Sonntag kehrt Jacobsen nach abgesessener Gelbsperre zurück – Unterstützung für den gesetzten Sechser Maier und die neuen Leader. Zusammen mit Torwart Thomas Dähne, der nach Grippe zurückkehrt, und dem unverwüstlichen Kevin Volland kann Kauczinskis neue Achse dafür sorgen, dass die Löwen im Aufstiegsrennen bleiben. Bis alle Verletzten zurück sind – und der Trainer personell wieder aus dem Vollen schöpfen kann.ULI KELLNER

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