Für Olympia eingekleidet: Fabio Wagner (l.) und Tobias Rieder. © IMAGO/Eibner/Heike Feiner
Ein Gegentor zu viel geschluckt: Mathias Niederberger in Nürnberg. © IMAGO/Zink/Hahn
München – Für Harold Kreis war das ein ertragreiches Wochenende. Der Eishockey-Bundestrainer hat kalkuliert, dass Spieler, die er trotz längeren Verletzungsausfalls für das Olympia-Turnier im Februar nominiert hat, rechtzeitig in den Liga-Betrieb zurückkehren. Das klappte nun in drei Fällen: Kai Wissmann (29), Abwehranker aus Berlin, absolvierte am Sonntag sein erstes Saisonspiel (in dem er ein Tor erzielte), und auch zwei Münchner griffen wieder ein: am Freitag Stürmer Tobias Rieder (33), am Sonntag Torhüter Mathias Niederberger (33).
Die beiden Münchner Comebacks verliefen allerdings sehr unterschiedlich. Rieder schrieb die kitschige Story, dass er mit seiner ersten Aktion das 1:0 gegen Dresden (Endstand 3:1) erzielte. Ein Abstaubertor. „Der ist mir schön hingefallen“, sagt er, „aber wenn man nicht vors Tor geht, kriegt man solche Scheiben auch nicht.“ Für Niederberger hingegen begann seine Partie in Nürnberg traumatisch: Gegentreffer nach neun Sekunden. Und das Ende des Nachmittags war ebenfalls überschattet. Auch weil Niederberger in der Schlussoffensive der Nürnberger den Puck nicht herausspielen konnte aus der Defensivzone, kassierte er bei 18 Sekunden Restspielzeit das 4:5 – eine Niederlage, nachdem die Münchner einen 1:4-Rückstand ausgeglichen hatten.
Rieder hatte es leichter, wieder ins Team des EHC Red Bull zurückzufinden. Harold Kreis‘ Vorhersage, „dass alle Spieler, die zurückkehren, absolut fit sein werden“, erfüllte sich bei ihm. „Ich war schon mehrere Wochen auf dem Eis“, verrät er. Mit dem Spielen dauerte es, „um auf Nummer sicher zu gehen“. Das Turnier mit den NHL-Größen soll Rieders großer internationaler Höhepunkt werden, nachdem in der Topliga vor viereinhalb Jahren kein Platz mehr für ihn war. „Ich werde gegen ein paar alte Freunde spielen.“ Vom Bundestrainer wurde ihm die Nominierung „kurz vor Weihnachten“ mitgeteilt.
Ob die Berufung Niederbergers in den Olympiakader angesichts zweier längerer Verletzungsunterbrechungen gerechtfertigt ist, wird selbst unter EHC-Fans durchaus diskutiert. Fünf Gegentore schluckte München lange nicht mehr, zuletzt glänzte Niederbergers Vertreter Antoine Bibeau. „Es ist nicht leicht, zurückzukehren“, räumte Niederberger ein, befand aber: „Ich bin fit – und fit durch dieses Spiel gekommen.“
Frei von einer Verletzungshistorie ist der dritte Olympia-Fahrer des EHC: Fabio Wagner. Der Verteidiger hat 345 DEL-Spiele am Stück absolviert, er ist damit Allzeit-Zweiter hinter Ruheständler Patrick Köppchen (506). GÜNTER KLEIN