Alle ziehen am selben Strang: Kompany (rechts) und seine Spieler haben eine Harmonie. © Lackovic/Imago
München – Welchen Stellenwert Ehrenpräsident Uli Hoeneß für die Bayern-Familie hat, war beim Legends Cup im SAP Garden am Sonntag-Nachmittag gut zu beobachten: So kamen ehemalige Ziehsöhne wie Franck Ribéry oder Rafinha zu ihm auf die Tribüne geklettert, um sich eine Umarmung vom 74-Jährigen und ein Küsschen von Ehefrau Susi abzuholen.
Wäre Chefcoach Vincent Kompany ebenfalls beim Turnier der Altstars vorbeigekommen, hätten sich wohl ähnliche Szenen abgespielt. Denn für den Belgier ist der Bayern-Patron nur voll des Lobes – obwohl es im vergangenen Transfersommer durchaus an der einen oder anderen Ecke leise geknirscht hat. Zur Erinnerung: Die Münchner Verantwortlichen – allen voran die beiden Aufsichtsräte Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge – wollten den Kader bewusst klein halten, nachdem die Transfers der Wunschspieler Florian Wirtz (Liverpool) und Nick Woltemade (Newcastle) nicht realisiert werden konnten.
Auch Kompany sei im Sommer zwar „ein bisschen traurig“ gewesen, „dass der ein oder andere Transfer nicht geklappt hat“, sagte Hoeneß, „aber er hat da nicht lange lamentiert, sondern die Ärmel hochgekrempelt. Was wir jetzt erleben, ist eine wunderbare Konsequenz.“
Das spiegelt auch die bisherige Saison-Bilanz wider: Die Bundesliga führen die Münchner souverän mit elf Punkten Vorsprung an, in der Champions League reicht am Mittwoch gegen Saint-Gilloise ein Heimsieg für den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale und im DFB-Pokal winkt endlich mal wieder ein Halbfinal-Einzug. „Ich glaube, einen großen Anteil an diesem riesigen Erfolg hat natürlich der Trainer. Man sieht hier, wenn ein Trainer und eine Mannschaft eine Einheit bilden, dann kann man eine ganze Menge erreichen“, frohlockt Hoeneß.
Die Personalpolitik des 39-Jährigen imponiert dem Ehrenpräsidenten: Kompany hat aus der Not eine Tugend gemacht. Dank des schlanken Kaders konnte er Talente wie Lennart Karl (17) oder Tom Bischof (20) ungewohnt schnell im Star-Ensemble integrieren. „Indem wir nicht so viele teure Spieler gekauft haben, wie die Medien von uns verlangt haben, ist der Kader klein geworden“, analysiert Hoeneß und meint: „Wenn alle Spieler, die man uns angedichtet hat, in München spielen würden, gäbe es keinen Karl in der ersten Mannschaft, gäbe es keinen Bischof in der ersten Mannschaft.“
Darüber hinaus hat Kompany einen brutalen Teamgeist entfacht und vermittelt jedem Spieler den Eindruck, dass er wichtig ist. Der Belgier verzichtet darüber hinaus bewusst auf öffentliche Kritik und nimmt sich seine Stars lieber hinter verschlossenen Türen zur Brust.
Bestes Beispiel: Als Bischof und Karl in Leipzig in der ersten Halbzeit auf ihrer rechten Seite teilweise überfordert wirkten, nahm Kompany das Youngster-Duo in der Halbzeitpause zur Seite und gab den Jungspunden konkrete Hinweise, wie sie ihr Spiel umstellen sollen. Statt eines der Juwelen in der Halbzeit vom Feld zu nehmen, vertraute Kompany in die Fähigkeiten seiner Schützlinge. Mit Erfolg: Karl arbeitete fortan mehr nach hinten mit, was auch Bischof dabei half, mehr Stabilität in sein Spiel zu bekommen. Aus dem 0:1 zur Pause wurde ein 5:1.M. BONKE, V. TSCHIRPKE