Mané rettet Afrikas Fußball

von Redaktion

Rabat – Auf dem Platz tobte das Chaos, auf den Rängen erhob sich der Tumult – doch Sadio Mané behielt in all dem wilden Durcheinander einen kühlen Kopf. Der Superstar des Senegal bewahrte das irre Endspiel beim Afrika-Cup vor dem Abbruch, jedoch nicht vor dem Skandal und dem glühenden Zorn des FIFA-Präsidenten.

Augenzeuge Gianni Infantino schimpfte über die „inakzeptablen“ und „hässlichen“ Szenen von Rabat, die in der Fußballwelt eine Welle der Empörung auslösten. „Niemals“, polterte der FIFA-Boss, dürften sich derartige Vorkommnisse wiederholen. Er erwarte, „dass die zuständigen Disziplinarorgane“ des afrikanischen Verbandes CAF „die entsprechenden Maßnahmen ergreifen“ werden. Der CAF folgte der Forderung umgehend und betonte, „sämtliches Videomaterial“ zu prüfen und den Fall „an zuständige Stellen“ weiterzuleiten.

Dabei hatte Mané das Schlimmste noch verhindert. Senegals erboster Trainer Pape Thiaw, die restliche Mannschaft und die aufgebrachten Fans brachten das Finale an den Rand des Abbruchs, ehe der einstige Bayern-Flop beherzt einschritt. Thiaw hatte sein Team nach einem strittigen Elfmeterpfiff tief in der Nachspielzeit in die Kabine beordert, nur Mané blieb draußen.

„Es ist unmöglich, der Welt ein solches Bild zu vermitteln“, sagte er und erklärte, warum er seine Kollegen schließlich zurück auf den Rasen beordert hatte. „Es wäre wirklich traurig und bedauerlich gewesen, ein Finale so enden zu sehen.“ Er hätte „lieber verloren“.

Das tat er nicht, Senegal um den Bayern-Stürmer Nicolas Jackson sicherte sich mit dem 1:0 n.V. zum zweiten Mal nach 2022 den Titel. Doch über dem Triumph lag ein dunkler Schatten. „Das Bild, das wir vom afrikanischen Fußball abgegeben haben, war eher beschämend“, schimpfte Marokkos Trainer Walid Regragui. „Die ganze Welt“ habe zugesehen.

Auslöser des Skandals war, dass sich der Senegal gleich doppelt betrogen fühlte. Zu Beginn der Nachspielzeit hatte Schiedsrichter Jean-Jacques Ndala (DR Kongo) dem Führungstreffer der Löwen von Teranga wegen eines strittigen Fouls in der Entstehung die Anerkennung versagt. Als der Unparteiische dann nach VAR-Check einen Strafstoß für Marokko pfiff (90.+8), brannten Thiaw und den Fans die Sicherungen durch.

Einige Anhänger warfen mit Gegenständen und versuchten, auf den Rasen zu gelangen, während Senegals Coach sein Team vom Platz holte. Erst nach Manés Eingreifen und gut 15 Minuten später konnte Marokkos Star Brahim Díaz zum Elfmeter antreten, den er Torwart Edouard Mendy im Panenka-Stil in die Arme lupfte (90.+24). Pape Gueye (94.) traf in der Verlängerung zu Senegals Sieg.

„Am Ende hat der Fußball gewonnen“, behauptete Torhüter Mendy. Trainer Thiaw entschuldigte sich „bei der Fußballwelt“ für sein Verhalten und erklärte: „Manchmal reagiert man aus der Emotion heraus. Wir hätten das nicht tun sollen, aber es ist nunmal passiert.“

Als er nach dem Spiel mit seiner sechsjährigen Tochter zur Pressekonferenz erschien, wurde er mit Applaus empfangen – und Buhrufen. Wieder gab es Tumulte, Thiaw ging schließlich wortlos.

Der 44-Jährige hatte die Atmosphäre im Vorfeld angeheizt, als er Marokko Unsportlichkeit vorwarf und von Sicherheitsbedenken berichtete. Auch die Schiedsrichter waren im Turnierverlauf Thema, Benins Trainer Gernot Rohr etwa bescheinigte ihnen „ein bisschen Sympathie“ für den Gastgeber.

Der soll in gut vier Jahren auch die WM mit ausrichten. Mané (33) will dann nicht mehr dabei sein, die WM im Sommer soll sein letztes Turnier im Nationaltrikot werden. Diese Entscheidung aber, sagte Trainer Thiaw, „gehört nicht mehr nur ihm“, sondern ganz Senegal: „Das Land ist nicht einverstanden.“ Es braucht ihn. Als Stürmer und Ruhepol.SID

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