… abends Weltcup und Selfie mit Ramona Hofmeister.
Was für ein Tag! Morgens Schule…. © Sampics (2) / S. Matzke
Parallelschwung: Valentin Quaiser mit Elias Huber. © sampics
Das Eis brach schnell: Elias Huber mit Schüler Valentin Quaiser (l.). © Stefan Matzke / sampics
Bad Gastein – Am Ende eines inspirierenden Treffens werden noch schnell Kontakte getauscht. Der jüngere Snowboarder diktiert seine E-Mail-Adresse, der elf Jahre ältere sagt: „Okay, ich folg’ dir jetzt!“ Zuvor hatten Elias Huber (26) und Valentin Quaiser (15) gemeinsam ein paar Spuren in die Piste neben dem Weltcup-Hang von Bad Gastein gezogen – und oben beim Start-Gate vorbeigeschaut. Bei Fachgesprächen über Ideallinien und Schneequalität bricht schnell das Eis.
Valentin, Gymnasiast aus Großhadern und Gewinner bei unserer Olympia-Aktion, hat die Herzen von Snowboard Germany im Highspeed erobert. Shakehands mit Präsident Michael Hölz, kurzer Plausch mit Sportdirektor Andi Scheid, Selfie mit Ramona Hofmeister. Die Krönung: Elias Huber, der zuvor sein 100. Weltcup-Rennen bestritten hatte, nahm sich Zeit, um Valentins Fahrstil unter die Lupe zu nehmen. Sein bayerisch-trockenes Urteil: „Er war sauschnell. Vor allem dafür, dass er die Piste nicht kennt! Da könnte man was draus machen aus dem Talent.“
Elias Huber ist eine feste Größe in der Race-Szene der weltbesten Snowboarder: Weltcup-Debüt 2017, Spezialgebiet Riesenslalom, eine Olympiateilnahme – und im Februar die nächste. Schon Anfang Dezember in China hat sich der Sohn des Extrembergsteigers Thomas Huber das Italien-Ticket gesichert. Zusammen mit Stefan Baumeister, dem besten Deutschen beim Nachtrennen von Bad Gastein (4.), startet er in Livigno als männliche Medaillenhoffnung. Neben Comebackerin Hofmeister, Cheyenne Loch und Melanie Hochreiter.
Ob Valentin da auch einmal hinkommt? Die Leidenschaft bringt er mit. Jedes Wochenende in den Bergen unterwegs, mal mit Ski, mal mit dem Snowboard, gelegentlich sogar mit dem Raceboard. Eine familiäre Prägung: Papa Florian ist selbst im Junioren-Weltcup gefahren – 1998, als Snowboarden olympisch wurde. Das war ein Jahr vor der Geburt von Elias Huber.
Was Valentin für das Treffen auf sich genommen hat, imponiert Huber: 250 Kilometer hin und zurück – an einem Schultag mit Nachmittagsunterricht. Auch über den reinen Sport hinaus fanden der Weltcup-Routinier und der Zehntklässler gemeinsame Themen. Eines davon: der schwierige Umgang mit nervlicher Anspannung. Huber: „Mein Sportpsychologe sagt: Ich bin früher die Rennen immer schon einen Tag vorher gefahren – im Kopf. Das bringt aber nichts, dieses Überpacen.“ Valentin, der auch Fußball spielt, kennt das Problem: „Ich bin ein Trainingsweltmeister, aber im Wettkampf geht wenig. Es hemmt mich, wenn so viele Augen auf mich gerichtet sind.“
Huber hat den Schlüssel für sich gefunden: „Lieber ruhig bleiben, erst mal den Hang besichtigen – und dann erst anfangen, die Anspannung hochzufahren.“ Dass er trotzdem die Qualifikation in Bad Gastein verpatzt hat, nervt ihn. Der Berchtesgadener sagt: „Gerade hier, vor meiner Haustür, würde ich gerne mal gewinnen.“ Den Sieg will er bei Olympia nachholen. „Die Form im Riesenslalom passt“, sagt er: „Ich muss mich ein bisschen stabilisieren Richtung Finale, aber grundsätzlich ist alles drin.“
Für Huber ging‘s tags darauf weiter zum Weltcup nach Bulgarien, für Valentin zurück auf die Schulbank. Eine Kurzarbeit in Wirtschaft war angekündigt – trotz kurzer Nacht lief sie gut. Bei Elias Huber dreht sich nun alles um den 8. Februar, das olympische Rennen: „Der Tag ist schon lange ganz dick bei mir angestrichen.“ In Valentin hat er jetzt einen Daumendrücker mehr. Dem reicht ein Wort, um seinen Schnuppertag im Weltcup zu beschreiben: „Saugeil!“ULI KELLNER