Schwer fassbar: Federica Brignone. © Bertorello/AFP
Bruneck – Das sensationelle Comeback von Federica Brignone riss auch Jannik Sinner im fernen Melbourne mit. „Sie hat etwas Unglaubliches geschafft, was fast niemandem gelingt“, staunte Italiens Tennisheld nach seinem Erstrundenmatch bei den Australian Open über diese „phänomenale Athletin“. Und damit war Sinner längst nicht allein, am Kronplatz verneigte sich die versammelte Ski-Elite vor der Rückkehrerin.
Beim Weltcup-Riesenslalom in den Pragser Dolomiten raste Brignone auf Platz sechs – 292 Tage nach ihrem verhängnisvollen Unfall, bei dem sie einen Schien- und Wadenbeinbruch sowie einen Kreuzbandriss erlitten hatte. „Es ist ein schöner Traum!“, schwärmte sie.
Von Julia Scheib aus Österreich, die sich mit ihrem vierten Saisonsieg endgültig zur Goldfavoritin für Olympia aufschwang, trennten Brignone 1,23 Sekunden – egal. Die Schmerzen, die sie seit jenem schwarzen Tag bei den italienischen Meisterschaften im April täglich quälen, waren „durch das Adrenalin“ fast wie weggeblasen, meinte die 35-Jährige.
Im Ziel, wo Lena Dürr als 21. etwas bedröppelt dreinblickte, stieß sie einen Jubelschrei aus und schüttelte ungläubig den Kopf. Kein Wunder: In den Wochen nach ihrem schweren Sturz sei es sogar ungewiss gewesen, ob sie „jemals wieder richtig laufen“ können würde. „Ich weiß, wie hart sie gearbeitet und wie sehr sie gelitten hat“, sagte Sinner.
Anfang Oktober schaffte Brignone keine zehn Jogging-Minuten, Ende November stand sie erstmals wieder auf Ski. 13 Tage waren es insgesamt vor dem Comeback. Und ein Fingerzeig für Brignones Heimspiele in ihrem Geburtsort Mailand, für die sie als eine der Fahnenträgerinnen Italiens vorgesehen ist. „Ich wünsche ihr alles Gute!“, sagte Jannik Sinner, der Brignone unabhängig vom Ausgang des Olympia-Abenteuers höchstpersönlich belohnen will: Mit einem gemeinsamen Skitag.SID