Pyrostrafe: Die Bayern müssen am Mittwoch in der Champions League gegen St. Gilloise muss auf den Support der Südkurve verzichten. © Imago mit KI
München – Die Stimmung wird etwas ungewohnt sein: Beim Champions-League-Duell mit Union Saint-Gilloise am heutigen Mittwoch (21 Uhr, DAZN) erwartet den FC Bayern eine Art „Mini-Geisterspiel“ – denn die Elf von Trainer Vincent Kompany muss im letzten Heimspiel der Königsklassen-Ligaphase vor einer leeren Südtribüne auflaufen.
Grund dafür ist eine von der UEFA verhängte Sperre der Blöcke 111 bis 114 (wegen Pyro-Vergehen der FCB-Fans), weil der Rekordmeister aber diese Sektoren nicht einzeln sperren kann, betrifft die Strafe nun die gesamte Südkurve von Block 109 bis 117. „Das ist natürlich schade. Bayern hat zu Hause immer Erfolg, das hatte immer auch mit der Unterstützung der Fans zu tun“, sagte Kompany auf der Pressekonferenz am Dienstag. Als Ausrede will er die fehlende Unterstützung der Südkurve aber nicht gelten lassen: „Wir haben dennoch 70 000 Fans da. Aber natürlich hoffen wir, dass das nicht oft passiert. Die Fans sind sehr wichtig für uns.“
Die Rechnung für das anstehende Duell mit den Belgiern ist nun einfach: Wenn der FCB gewinnt, zieht man so gut wie sicher ins Achtelfinale ein und vermeidet die kräftezehrenden Playoffs. „Es ist unglaublich schwierig, in die Top Acht zu kommen“, so Kompany. „Das wird etwas unterschätzt. Allein deshalb wäre es schön.“ Sollten die Münchner es schaffen, mit Siegen gegen Saint-Gilloise und nächste Woche in Eindhoven unter den ersten zwei Tabellenplätzen zu bleiben, würden sie als Belohnung sogar im Turnierbaum bevorzugt werden und bis zum Halbfinale jeweils im Rückspiel zu Hause antreten. Darüber würde sich auch Aleksandar Pavlovic freuen: „Mit den Fans im Rücken spielt man noch besser. Wir werden alles dafür geben, dass wir unseren Spitzenplatz in der Tabelle halten.“
Und: Für Kompany ist das Duell mit dem Spitzenreiter der belgischen Liga zudem auch eine Möglichkeit, einen persönlichen Ergebnis-Fluch zu beenden. Fünfmal traf er nämlich als damaliger Anderlecht-Coach (Juli 2019 bis Juni 2022) bislang auf Saint-Gilloise, nach einem 5:0-Sieg im ersten Spiel folgte für ihn eine Niederlagen-Serie von vier Partien (1:3, 0:1, 1:3 und 0:2). Doch was zeichnet Gilloise aus? Das belgische Spitzenteam gilt als hartnäckiger Gegner, der schwierig zu bespielen ist. In der Vergangenheit wurde die Spielweise der Mannschaft von Trainer David Hubert immer wieder mit RB Leipzig verglichen und produzierte Stürmerstars wie Victor Boniface oder Deniz Undav. In dieser Spielzeit ist das Team vor allem auswärtsstark und holte seine zwei Siege in Eindhoven (3:1) und bei Galatasaray Istanbul (1:0).
„Sie wollen in der Liga das Spiel machen und den Ball haben. Aber ihnen liegt noch mehr, wenn sie der Underdog sind. So wie nun in der Champions League“, erklärte Kompany. „Da können sie zu Helden werden. Wir müssen aufpassen!“ Kompany ist also gewarnt und setzt alles auf einen Sieg, um direkt ins Achtelfinale einzuziehen – und kann ab da wieder auf die Unterstützung der Südkurve bauen. V. TSCHIRPKE, M. BONKE