Wille pur: Justus Fischer. © von Fehrn, Koch(2)/Imago
Sofort auf Betriebstemperatur: David Späth.
Anführer vorne und hinten: Julian Köster.
Herning – Alfred Gislason wirkte gelöst wie lange nicht. Mit den Händen in den Hosentaschen stand der Bundestrainer in den Katakomben der Jyske Bank Boxen. Gislason scherzte, er schwärmte von seinem Team. Statt bei einer EM ein historisches Vorrunden-Aus moderieren zu müssen, befindet sich Gislason mit Deutschlands Handballern wieder mittendrin im Medaillenkampf. „Das müsste ein sehr großes Selbstvertrauen in die Truppe bringen“, sagte der 66-Jährige – und spendierte seinen Spielern nach dem Statement-Sieg über den einstigen Angstgegner Spanien einen trainingsfreien Tag.
Das deutsche Team kann den Hauptrundenauftakt am Donnerstag kaum erwarten. „Die Erfahrung aus der Vorrunde ist für uns goldwert“, sagte Torjäger Renars Uscins voller Vorfreude auf die nächsten Spiele. Niemand sei „unschlagbar“. Die DHB-Auswahl wollte sich am Dienstag mit einem gemeinsamen Abendessen einstimmen. Man gehe mit „breiter Brust“ in das Spiel gegen Portugal, das überraschend Dänemark bezwang, betonte Uscins: „Wir wollen ihren Flow brechen.“
Gislasons „Plan“ nach der Niederlage gegen Serbien (27:30) inklusive seines Buzzer-Blackouts, mit seiner schonungslosen Selbstkritik alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sei aufgegangen. „Ihr habt mir sehr gut dabei geholfen, also danke euch“, sagte der DHB-Coach in Richtung der Reporter und sorgte damit für Gelächter. Auch die nachhallende Kritik von Spielmacher Juri Knorr wegen dessen Einsatzzeiten war für Gislason kein Thema mehr. Im Gegenteil: Der leidenschaftliche Auftritt gegen Spanien diente als Versöhnung.
Er habe überhaupt kein Problem, betonte Gislason. Knorr wiederum rechnete Gislason „hoch an, dass er nichts persönlich nimmt. Er hat ja kein großes Ego, er stellt den Erfolg über alles, er will, dass wir reden und über Dinge sprechen“, sagte Knorr, der bei „Alfred eine andere Lockerheit gemerkt“ habe: „Das hat sich vielleicht auf uns übertragen.“
Das glückliche Ende einer nervenaufreibenden Vorrunde (Gislason: „Die Mannschaft hat schon sehr gelitten“) soll für das Team um Rückraum-Rakete Uscins nun der Anfang für einen Erfolgslauf in den weiteren Kracherspielen werden. „Das ist ein Riesenschritt für eine junge Mannschaft. Es ist ein bisschen wie bei Olympia“, sagte Gislason und schwärmte von der „besten Angriffsleistung“ seit dem Silbercoup bei den Sommerspielen 2024.
Zum Hauptrundenauftakt wartet am Donnerstag überraschend Portugal. Weitere feststehende Gegner sind Titelverteidiger Frankreich und Norwegen. Vierter Gegner wird dann Portugal sein. „Das wird richtig geil“, sagte Uscins.
Lukas Mertens berichtete, dass das Team nach dem Serbien-Spiel „Tacheles gesprochen“ habe. „Wir haben gesagt, was schlecht war, und auch wirklich Kritik ausgeübt“, sagte der Linksaußen. Interessant: Schon bei den letzten großen DHB-Triumphen, dem WM-Wintermärchen von 2007 und dem EM-Coup von 2016, hatte es jeweils in der Vorrunde Niederlagen gegeben. Ein gutes Omen? Das wird sich zeigen.