ZUM TAGE

Glückliches Händchen, Herr Gislason

von Redaktion

Handballer in der Hauptrunde

Soll keiner sagen, Alfred Gislason wäre nicht wandlungsfähig. Denn wie er seine Handballer am Montagabend in das alles entscheidende Duell gegen Spanien schickte, das war schon beachtlich. Der zuvor öffentlich murrende Spielmacher Juri Knorr bekam seine geforderte Spielzeit – und lieferte. Im Gegensatz zu so manchem Testspiel. Deswegen war eigentlich Allzweckwaffe Julian Köster als Nummer eins auf der Mitte in diese Europameisterschaft gegangen. Der Gummersbacher wirkte dagegen im linken Rückraum und bildete mit Renars Uscins und Knorr ein Angriffstrio, das diesmal nur punktuell durch Miro Schluroff und den gerade so genesenen Nils Lichtlein entlastet wurde.

Apropos: Kapitän Johannes Golla hingegen, der gegen Serbien noch fast durchackern musste, bekam viel Pause und wurde mehr als glänzend von Justus Fischer vertreten – ein Schachzug, der aufging. Genauso wie die Aufstellung von Matthes Langhoff in der Defensive. Gegen Serbien war er noch auf die Tribüne beordert worden. Marko Grgic, 22-jähriges Supertalent mit Anführer-Anspruch, schmorte dafür – zumindest in dieser Partie – nur auf der Bank.

Gislason hat diesmal ein deutlich glücklicheres Händchen (Auszeit-Buzzer!) bewiesen, viel wichtiger aber: er hat in den 48 Stunden zuvor den Glauben zurück in die Köpfe gebracht. Damit rettete der Isländer nicht nur die Hauptrunde, sondern auch sich selbst den Job. Dass man nun sogar mit einer Optimalausbeute von zwei Punkten in die hammerharten Duelle gegen Dänemark und Frankreich geht, fand Gislason „ein bisschen lustig“. Auch ihm war klar, dass der Handballgott an diesem Tag Schwarz-Rot-Gold Fahnen schwenkte; Schiedsrichter-Entscheidungen inklusive.

Und jetzt? Ist nicht alles gut. Genauso wenig, wie vorher alles schlecht war. Aber im Spitzensport geht es in erster Linie um Ergebnisse. Und ja, auch beim WM-Titel (2007) und EM-Triumph (2016) kassierte man in der Vorrunde Niederlagen. Manche mögen das als gutes Omen sehen. Aber die Hauptrundengruppe war jeweils nicht so beinhart, wie sie es bei diesem Turnier ist.

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