Schon wieder EM-Fluch: Mathias Gidsel frustriert © IMAGO/Maximilian Koch
Herning – Mathias Gidsel stand in Socken vor den zahlreichen Mikrofonen und machte gute Miene zum miesen Spiel. Der Welthandballer lächelte höflich. Doch in ihm, das war nach dem völlig unerwarteten EM-Dämpfer für den Olympiasieger gegen Portugal unüberhörbar, brodelte es. „Das ist eine Riesenenttäuschung“, sagte der Rückraumstar und schob hinterher: „Das können wir natürlich nicht akzeptieren. Besonders hier in Boxen.“
Es wirkte fast so, als würde Gidsel die erste Niederlage in der Jyske Bank Boxen in Herning seit zwölf Jahren als eine persönliche Beleidigung empfinden. „Eine Sache ist, dass du verlierst. Das ist manchmal okay im Sport“, sagte der 26-jährige Star der Füchse Berlin, „aber es tut natürlich weh, wie wir heute verlieren“.
31:29 (12:11) für Portugal stand in Dänemarks Handball-Tempel am Ende auf der Anzeigetafel. Der Topfavorit startet bei seinem Heimturnier mit 0:2 Punkten in die Hauptrunden-Gruppe mit Deutschland – einer klaren Hypothek beim Vorhaben, den dänischen EM-Fluch endlich zu beenden. „Dänemark steht in einer historisch schwierigen Hauptrunde mit dem Rücken zur Wand“, meldete das dänische Fernsehen TV2 alarmiert.
„Wir haben uns selbst maximal unter Druck gesetzt und müssen die nächsten vier Spiele gewinnen. Dann müssen wir abwarten, wie es weitergeht“, sagte Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen, in dessen Erfolgsära mit Dänemarks scheinbar übermächtigen Ausnahmekönnern die EM-Goldmedaille noch fehlt.
Europameisterschaften und Dänemark – das war in den vergangenen Jahren bereits keine Liebesbeziehung. Bei den vier (!) vergangenen Weltmeisterschaften stürmten die Nordeuropäer auf den WM-Thron, auch bei den Olympischen Sommerspielen 2016 und 2024 waren die Skandinavier nicht zu bezwingen. Doch auf europäischer Ebene warten die Dänen seit 2012 auf ihren dritten Titel.
Nun wartet am Donnerstag (20.30 Uhr/Dyn, ARD-Livestream) gegen Titelverteidiger Frankreich bereits das erste von „vier Endspielen“, wie Gidsel mit Blick auf die weiteren Duelle mit Spanien, Deutschland und Norwegen sagte.