So war das nicht geplant: Coach Nikolaj Jacobsen und die Dänen stehen plötzlich ziemlich unter Druck. © Amstrup/Imago
Nur sehr schwer zu stoppen: Dika Mem und die französische Offensive brannten bisher drei Feuerwerke ab. © Solum/Imago
Für Sander Sagosen und die Wikinger dürfte es wieder schwer werden – Norwegen bringt keine Punkte mit. © SIolum/Imago
Frech und mutig: Martim Kosta streckt die Zunge raus – wer Dänemark schlägt, kann sich das wohl erlauben. © Koch/Imago
Herning – Beim gemütlichen Mannschaftsabend in einem Restaurant in Silkeborg wollten Deutschlands Handballer die letzte Ruhe vor dem großen Knall genießen. Noch einmal Kraft tanken vor dem heutigen EM-Hauptrundenstart gegen Portugal. Benjamin Chatton sprach von einer „absoluten Todesgruppe“, die „Hitchcock-Klassiker im Zwei-Tages-Rhythmus“ verspricht. Unsere Zeitung zeigt, was auf den DHB zukommt – garniert mit einer Einschätzung von 2007er-Weltmeister Dominik Klein (42).
Portugal (Do., 15.30 Uhr)
Wenn es noch leise Zweifel gab, dann waren sie am Dienstagabend beiseite gewischt. Portugal überrumpelte den haushohen Favoriten Dänemark in dessen spirituellem Zuhause Herning. Trainer Paulo Pereira kippte mit seinem „kontrollierten Chaos“ zuletzt auch die Deutschen aus der WM. Allerdings hat Pereira dank der grandiosen Nachwuchsarbeit auch die Spieler, die seinen Überfall-Stil (oft im 7 gegen 6) perfekt umsetzen. Allen voran die Sporting-Lissabon-Brüder Martim und Kiko Costa, die auch Dänemark mit je neun Treffern maßgeblich versenkten.
Dominik Klein: „Unglaubliche Brecher in der Abwehr, allen voran Salvador Salvador. Der Angriff besteht eigentlich nur aus zwei Mann – den Costa-Brüdern. Die haben eine wahnsinnige Dynamik. Das DHB-Team hat nur eine Chance, wenn das eigene Abwehrbollwerk steht.“
Norwegen (Sa., 20.30 Uhr)
Norwegen zählt, auch dank Superstars wie Sander Sagosen, stets zum engsten Favoritenkreis. Medaillen gab es, wie bei den WM-Finaleinzügen 2017 und 2019 einige. Einen Titel noch nie. Viele sehen die Norweger als „bestes Team danach“. Auch jetzt stehen die Karten eher schlecht. Gegen Frankreich half dem Team von Trainer Jonas Wille noch nicht einmal die traditionelle Abwehrstärke. 34 Tore schenkten die französischen Ballerbänner ein. Klar ist aber auch: Die deutschen Spieler müssen sich auf harte Arbeit einstellen.
Dominik Klein: „Sander Sagosen ist der Kopf, dazu haben sie schnelle Außenspieler. Dennoch: Auf dem Papier der „schwächste“ Gegner. Ist man gegen Portugal erfolgreich, kann die Partie in einen EM-Flow führen.“
Dänemark (Mo., 20.30 Uhr)
Über Dänemark ist eigentlich alles gesagt und geschrieben. Gidsel, Pytlick, Nielsen, Saugstrup, Möller – das Team von Trainer Nikolaj Jacobsen ist gespickt von so vielen Stars, dass man gar nicht weiß, wer einen mehr begeistern soll. Schwächen? Gibt es nicht! Titel? Haben sie zuletzt alle geholt – oder? Fast, aber nicht ganz, denn auf dem Team lastet eine kleiner EM-Fluch. Ob die Portugal-Pleite erneut der Anfang vom Ende war?
Dominik Klein: „Bleibt für mich die Übermannschaft. Portugal – das war mit Handbremse. Ich denke, Dänemark marschiert jetzt durch das Turnier. Sogar die Jungs, die auf der Bank sitzen, könnten noch ein Allstar-Team bilden.“
Frankreich (28.01., 18.00 Uhr)
Frankreich, Europameister von 2024, ist ein hartes Brett. Die Mannschaft von Trainer Guillaume Gille ballerte sich mit 126 Toren in drei Spielen regelrecht durch die Vorrunde – Tschechien (42:28), die Ukraine (46:26) und Co-Gastgeber Norwegen (38:34) waren völlig chancenlos. Die größte Stärke: Flexibilität. Während einige Teams nur einen Top-Scorer in ihren Reihen haben, verbuchen ganze fünf Franzosen mehr als zehn Treffer. Das EM-Ziel ist für den kurzfristig ausgefallenen Les Bleus-Star Nedim Remili klar: „Die Goldmedaille! Nicht das Halbfinale oder sonst was.“ Bei einer EM konnte Deutschland seit 1998 nicht mehr gegen die französische Mannschaft gewinnen – DHB-Star Juri Knorr war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal geboren. Aber: Das letzte Duell entschied der DHB beim Olympia-Krimi (35:34 n. V.) in Lille für sich.
Dominik Klein: „Frankreich will immer eine Medaille, mit diesem Selbsverständnis treten sie auch auf. Ihre Stärken liegen im Rückraum (Wurfgewalt!) und am Kreis. Für mich ein 50:50-Spiel.“MATHIAS MÜLLER, PATRICK REICHELT