Generalprobe: 2025 wurde Raimund 20. © IMAGO/Wagner
Oberstdorf – Wenn Philipp Raimund auf einem Lochgitter steht, bekommt er ein flaues Gefühl im Magen. Auch 50 Meter in die Tiefe schaut er nicht gerne. Raimund hat Höhenangst – nicht die besten Voraussetzungen also für die am Donnerstag beginnende Skiflug-WM in seiner Heimat Oberstdorf. „Das ist ein riesiges Paradox“, sagte der 25-Jährige einmal im Sportschau-Podcast: „Ich habe mir da selbst ein Bein gestellt.“
Besonders die riesigen Flugschanzen, auf denen Weiten von 250 m möglich sind, nötigen Raimund Respekt ab. In der vergangenen Saison ließ er den Weltcup in Planica sogar aus. Vor allem vom Skifliegen kenne er den Fall, „dass mein Körper reagiert, ohne dass ich es beeinflussen kann. Dann verliere ich für anderthalb Sekunden die Kontrolle und kann mich nur noch beobachten, während ich quasi in einer Klaue festgehalten werde“, schrieb er damals auf Instagram. An einem Skiflug-Weltcup teilgenommen hat Raimund bislang nur in Vikersund und Oberstdorf, beide „Monster-Bakken“ gelten als die sichersten ihrer Art. Deswegen wird der Achte der Vierschanzentournee auch am Donnerstag (17.00 Uhr) bei der Qualifikation auf der Heini-Klopfer-Schanze starten. Zusammen mit Felix Hoffmann trägt er nach einer beachtlichen Saison die größten Hoffnungen im deutschen Team, wenn bis Samstag in vier Durchgängen der neue Weltmeister ermittelt wird.
Allerdings: In den Top 10 ist Raimund auf einer Flugschanze noch nie gelandet, Rang 13 im März 2024 in Vikersund ist sein bestes Ergebnis. Bei seiner einzigen WM-Teilnahme vor zwei Jahren am Kulm in Österreich war für ihn nach zwei schwachen Trainingsflügen auf 157,0 und 188,0 m kein Platz im Wettkampf. Damals gewann Andreas Wellinger Silber hinter Stefan Kraf, im Team gab es für die Deutschen immerhin Bronze – ohne Raimund.
In Oberstdorf ist Raimund aber gesetzt. Er habe seine Höhenangst im Griff, sagt er. „Ich hab vor der Saison super gearbeitet und ein gutes Selbstvertrauen. Das ist beim Skifliegen wichtig. Wenn man entspannt, locker und motiviert ist, geht man anders an die Sache, als wenn man eine gewisse Unsicherheit spürt.“ Außerdem: Auf der Schanze helfe ihm immer das Wissen, alles selbst in der Hand zu haben. „Wenn mir wirklich mal der Stift geht, habe ich trotzdem die Kontrolle“, sagt Raimund. Na dann.SID