Schnelle Erlösung: Bayern dankte Kane. © Wunderl/IMAGO
Wenn die Kurve leer bleiben muss? Egal! © Kalut/IMAGO
Sträflich frei: Kane kam vor dem 1:0 zum Kopfball – und legte drei Minuten später vom Elfmeterpunkt nach. Dass er später einen Freistoß vergab? Geschenkt! © Kolbert/IMAGO
München – Der Plan der UEFA für das Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Union Saint-Gilloise war nett gedacht: Wegen diverser Pyro-Vergehen mussten die Münchner die Südkurve dicht machen. Und weil es logistisch nicht anders möglich war, wurden kurzerhand weitere Blöcke im Unterrang gesperrt. Koa Kurve? Koa Problem! Die Bayern gewannen dank Doppeltorschütze Harry Kane 2:0 (0:0) gegen die Belgier und stehen bereits vor dem letzten Vorrundenspiel im Achtelfinale der Königsklasse.
„Heute müssen die anderen Fans übernehmen. Hoffentlich können wir mit Leistung die Stimmung hoch bringen“, sagte Cheftrainer Vincent Kompany vor Anpfiff am DAZN-Mikrofon. Doch im Oberrang hatte sich bis zum Anstoß eine Art schwarzer Block mit der Südkurven-Belegschaft formiert, der die gewohnten Fangesänge anstimmte und für (gedämpfte) Stimmung in der Allianz Arena sorgte.
Unabhängig vom Fan-Bann gab es für Kompany nur ein Ziel: „Es ist ein Heimspiel, wir wollen gewinnen. Wir wollen den Fans etwas schenken. Der Gegner ist konterstark, kompakt.“ Und genau mit dieser aggressiven Spielweise, stellten die Gäste den deutschen Rekordmeister vor allem in der ersten Halbzeit immer wieder vor Probleme.
Zwar rückte Mittelfeldchef Joshua Kimmich nach überstandenen Sprunggelenksproblemen wieder neben Aleksandar Pavlovic in die Startelf, doch das Zentrum bekamen die Hausherren gegen die giftigen Belgier nicht dicht. Auch über die rechte Abwehrseite, wo diesmal Raphael Guerreiro begann, rollten zahlreiche Angriffe in Richtung verwaister Südkurve an.
Es waren 21 Minuten gespielt, als Abwehrchef Kevin Mac Allister eine Freistoßflanke alleine vor Manuel Neuer nur noch mit der Fußspitze berührte und nicht mehr richtig Druck auf den Ball bekam. Seine ganze Weltklasse musste der Bayern-Keeper nach einer knappen halben Stunde zeigen, als er einen Kopfball aus acht Metern von Promise David mit einem unglaublichen Reflex entschärfte. Ein Pausen-Rückstand wäre zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient gewesen.
Doch Kompany schien den richtigen Ton bei seiner Halbzeit-Ansprache getroffen zu haben, denn die Münchner schalteten mindestens zwei Gänge hoch – allen voran Torjäger Kane. Erst wuchtete der Engländer einen Eckstoß von Raphael Guerreiro am kurzen Pfosten per Kopf in die Maschen (52.) und nur 180 Sekunden später verwandelte er einen Strafstoß souverän zum 2:0. Der Stürmer selbst war zu Fall gebracht worden und ließ sich den Videobeweis-Elfmeter nicht entgehen.
Der komfortabel Zwei-Tore-Vorsprung war bitter nötig, weil Minjae Kim bereits in der 63. Minute mit Gelb-Rot vom Platz musste und die Bayern fortan nur noch zu zehnt auf dem Platz standen. Wer dachte, das bayerische Star-Ensemble würde das Ergebnis fortan verwalten, täuschte sich an diesem Abend gewaltig. Angepeitscht von lautstarken Vincent Kompany starteten die Roten Angriff um Angriff.
Als Belohnung für ihre Offensiv-Bemühungen bekamen die Bayern sogar noch einen Handelfmeter zugesprochen, doch Kane donnerte die Kugel an die Querlatte. So blieb es beim verdienten 2:0 und dem vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale.M. BONKE, V. TSCHIRPKE